Etwa 360.000 Männer und Frauen wurden im "Dritten Reich" zwangssterilisiert. Henning Tümmers untersucht die Nachgeschichte dieser historisch beispiellosen "Erbgesundheitspolitik" und schildert den Kampf der Betroffenen um die Anerkennung ihres Leids. Im Zentrum der Studie stehen die politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Frage, ob die Zwangssterilisationen ein "typisch nationalsozialistisches" und damit entschädigungsfähiges Unrecht waren. Der Autor zeigt, wie sehr das Fortwirken rassenhygienischen Denkens in der Bundesrepublik noch bis in die achtziger Jahre die Anerkennung und Entschädigung der Opfer behinderte. Mediziner und Juristen waren dabei die entscheidenden Experten, und viele von ihnen waren einst die tragenden Säulen der nationalsozialistischen Sterilisationspolitik. Wovon waren ihre Entscheidungen abhängig?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2012
Reiner Pommerin erzählt die traurige Geschichte der Annerkennungskämpfe von während des "Dritten Reichs" zwangssterilisierten Männern und Frauen, wie sie Henning Tümmers in seiner Arbeit darstellt. Eindrucksvoll findet er die auf Fallakten vor allem des Regierungspräsidiums Aachen basierende Schilderung der Kämpfe um Einbeziehung in die Kategorie "nationalsozialistisches Unrecht", die 1980 schließlich in der Härteregelung und einer lächerlich geringen Einmalzahlung an die Opfer mündete. Dass der Autor die Gruppe der 1937 zwangssterilisierten Kinder farbiger Besatzungssoldaten unerwähnt lässt, hält er allerdings für ein schweres Versäumnis.
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