Skandale sind ein Ausdruck der Moderne. Sie mobilisieren auf dem Weg der sozialen Empörung die Macht der Massen; sie besitzen polemische Stoßkraft gegen Eliten, Machthaber und Establishment. Vor allem sind sie in ihrer Entfaltung auf Öffentlichkeit angewiesen; plebiszitäre Zwangsherrschaften kennen nach gängiger Meinung keine Skandale. Die Beiträge dieses Bandes zeigen, wie unbegründet diese Auffassung ist: Auch die beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts produzierten Skandale. Mehr noch: Im Skandal als dem systemwidrigen Unfall treten die Mechanismen der diktatorischen Konsensbildung zutage - und ihre Grenzen.
Dass so "mancher Skandal für das Publikum im Nachhinein eine unterhaltsame Angelegenheit" sein kann, weiß Rezensent Tillman Bendikowski nach der Lektüre des von Martin Sabrow herausgegebenen Buchs. Darin finden Autoren wie Susanne zur Nieden, Sven Reichardt, Winfried Süß oder Stefan Wolle "eindrucksvolle Beispiele" sowohl inszenierter Skandale als auch Affären, die NS- oder DDR-Regime vertuschen wollten. Mit dem Werk "widerspricht" der Historiker Sabrow der bisherigen Annahme, in Diktaturen habe es keine funktionierende Öffentlichkeit und demzufolge auch keine Skandale gegeben. Vielmehr machten die Beiträge der insgesamt elf Autoren - für den rezensenten allerdings "auf unterschiedlichem theoretischen Niveau" - deutlich, wie sich Ablehnung und Zustimmung zu autoritären Systemen "rekonstruieren" lässt.
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