Unter dem Künstlernamen Armin Schildknecht arbeitet der 30-jährige Peter Stirner im abgelegenen Dorf Schilten im Kanton Aargau als Lehrer. Allerdings unterrichtet er längst nicht mehr das, was der Lehrplan vorsieht. Der nahe gelegene Friedhof bestimmt das Thema: Todeskunde. In seinem Debüt von 1976, einem der wichtigsten Romane der Nachkriegszeit in der Schweiz und nun in der Kollektion endlich wieder zugänglich, zeichnet Hermann Burger minutiös eine Obsession und dabei so subtil wie gnadenlos die Psyche eines ganzen Landes.
Rezensent Peer Teuwsen begrüßt es außerordentlich, dass dieser Roman von 1976 nun wieder lieferbar ist, dessen Autor Hermann Burger er als Schweizer Version eines Thomas Bernhard vorstellt. Denn aus Teuwsens Sicht handelt es sich bei dieser "Brandrede gegen die Obrigkeit" nicht nur um ein "präzises Dokument des Wahnsinns", sondern auch um ein beispielloses Stück Schweizer Literatur - ja: eines ihrer "witzigsten und wichtigsten" Bücher. Brandredner, also Protagonist des Romans, sei ein Lehrer, der - in einem leeren Schulhaus gefangen - einen wütenden Monolog gegen seinen Schulinspektor liefere. Dieser sei auch als Hilferuf eines Pädagogen zu lesen - und aus Teuwsens heutiger Sicht sogar als ziemlich prophetischer. Was Burger Buch auch heute noch für den Rezensenten zum Ereignis macht, ist die Tatsache, dass hier jemand sein Anschauungsmaterial für große Literatur in der Enge findet, der er eine "im wahrsten Sinne irrwitzige Sprache" entgegenhält.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.02.2009
Zwanzig Jahre nach dem Selbstmord des Schweizer Autors Hermann Burger wird sein bis heute berühmtestes Werk, der 1976 erschienene Debütroman "Schilten" neu aufgelegt. Höchst beeindruckend findet der Rezensent Helmut Böttiger ihn noch immer. Angelegt ist das Buch als Vierhundert-Seiten-Suada des sich immer tiefer in seine monologischen Fantasien verstrickenden Dorfschullehrers Armin Schildknecht. Und um nichts anderes als zuerst und zuletzt die Sprache gehe es in diesem Buch, eine Sprache, die dafür sorgt, dass die genaueste Beschreibung der Wirklichkeit in eine "Hyperrealität" umschlägt. In diesem Umschlag wird dann die präzise Unterscheidung zwischen Fiktion und Realem vollends unmöglich. Wie Burger sich als großer Meister der Sprache, dabei von Thomas Bernhard zwar beeinflusst, aber nicht abhängig, erweise: das belegt für Böttiger seinen Status als herausragender Autor der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.
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