Der über 500 Schreiben umfassende Band setzt wenige Monate nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ein. In welchem Ausmaß Hermann Hesse und sein deutscher Verleger Peter Suhrkamp von den Repressionen des Nazi-Regimes betroffen waren, illustrieren die Briefe in vielen dramatischen Episoden. Mindestens ebenso spannend lesen sich Hesses Antworten an zahlreiche deutsche Korrespondenzpartner, die dem seit 1912 in der Schweiz lebenden Dichter ihr Schicksal anschaulich schilderten und ihn um Rat und Hilfe baten. Bereits 1931 hatte Hesse damit begonnen, mit dem "Glasperlenspiel" eine Gegenwelt zur Ideologie des NS-Staates zu entwerfen. Die Niederschrift zog sich jedoch über elf Jahre hin, da sie ständig unterbrochen wurde durch seinen Einsatz für Flüchtlinge und Emigranten. Informiert durch tausende Leserzuschriften, sind Hesses Briefe nicht nur ein unerschöpfliches Quellenwerk zur Zeit- und Kulturgeschichte jener Jahre, sondern sie zeigen auch, wie das, was uns als Menschen ausmacht, auch unter unmenschlichen Bedingungen praktiziert werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2021
Rezensent Wolfgang Schneider hält die neue Edition mit Briefen von Hermann Hesse aus den Jahren 1940-1946 für die bedeutendste. Die Zeitumstände des Krieges lassen Hesse sich verstärkt aufs Briefeschreiben verlegen, die Bedeutung des Dialogischen für sein Denken und Schreiben tritt für Schneider zutage. Außerdem wird die Mär vom Idyllen-Dichter angekratzt, weil Hesse hier gallig wie scharfsichtig Zeitumstände analysiert, meint Schneider. Mit sorgsamen, pointierten Formulierungen darf der Leser rechnen, so Schneider, ob Hesse nun düstere Todeswünsche formuliert oder über Literaturpreise schimpft.
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