"Gib Worte Deinem Schmerz: Gram, der nicht spricht, preßt das beladene Herz, bis daß es bricht," Diese Verse Shakespeares erschließen Hermann Lang die therapeutische Applikation des Konzepts einer strukturalen Psychoanalyse. Ist Psychoanalyse wesentlich Sprachanalyse, so nicht minder die therapeutische Praxis. Mit einem Geleitwort von Hans-Georg Gadamer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2000
Auf den ersten Blick scheint Bettina Engels hier eine Doppelrezension zu zwei Büchern von Hermann Lang vorgelegt zu haben: "Das Gespräch als Therapie" und "Strukturale Psychoanalyse" (beide Suhrkamp Verlag). Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass sie hier in erster Linie gescheit über Langs Haltung zu Freud und Lacan als solche zu referieren weiß. So erfährt man beispielsweise, dass Lang Freud für einen Strukturalisten hält und Lacan als "latenten Hermeneutiker" entlarvt. Inwieweit Engels sich dabei auf die beiden angeführten Bücher bezieht und was man in diesen darüber erfährt, geht aus der Rezension jedoch nicht zweifelsfrei hervor. Der abschließende Verriss der Bücher kommt daher etwas überraschend, allerdings betrifft ihre Kritik weniger inhaltliche Fragen als vielmehr formale Schwächen. So bemängelt sie das sehr unterschiedliche Niveau der Arbeiten in beiden Bänden, wodurch - wie sie meint - kaum ein Leser die Bücher "von Anfang bis Ende" durchlesen wird. Zum anderen stören sie die zahlreichen Wiederholungen. Nicht nur die klinischen Fälle, sondern auch die "theoretischen Ausführungen und Schlussfolgerungen" wiederholen sich - so stellt sie fest - "wortwörtlich".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2000
Andreas Cremonini rezensiert zwei Bände mit Aufsätzen des Psychoanalytikers und Philosophen Hermann Lang, der 1973 mit dem Buch "Die Sprache und das Unbewußte. Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse" bekannt geworden ist. Hans-Georg Gadamer hat den beiden nun vorliegenden Büchern seines
einstigen Schülers ein Geleitwort mitgegeben.
1) Hermann Lang: "Strukturale Psychoanalyse"
Lang, stellt Andreas Cremonini fest, greift in diesem Buch auf wesentliche Thesen seiner Dissertation zurück, die in den richtungsweisenden Einführungsband von 1973 über Lacan mündete, behandele sein Thema aber "aus
unterschiedlichen Blickwinkeln" seiner Fragestellung nach dem Sprachbegriff. Der Autor unterzieht sein Buch einer Zweiteilung in einen theoretischen und einen praktischenTeil, wobei der Rezensent sich von diesem, der "Klinik" gewidmeten Teil mit seinen konkreten Krankheitsbildern und "dichten Meditationen über Endlichkeit und Leiblichkeit" in Zusammenhang mit der Sprache besonders beeindruckt zeigt.
2) Hermann Lang: "Das Gespräch als Therapie"
Dem psychosomatischen Aspekt bei psychischen Erkrankungen rückt Lang mit seinem zweiten Buch näher zu Leibe, wobei er sich diesmal besonders der therapeutischen Perspektive zuwendet. Gerade deshalb, meint Cremonini, sei Langs wiederholte Aufteilung in einen theoretischen und einen praktischen Teil in diesem Fall nicht so überzeugend, die Übertragung des hermeneutischen Verstehensbegriff von Gadamer in die therapeutische Situation nicht gelungen. Das von Gadamer übernommene Verstehensmodell erweise sich als der "eigentliche Pferdefuß" bei Lang, schreibt Cremonini, seine Gleichsetzung von Verstehen und Therapie bringe ihn darum auch in Widerspruch zum Lacanschen Konzept der Psychoanalyse. Das schmälere aber keineswegs Langs Verdienste um Lacan. Die Lektüre seiner Texte lohne sich schon allein wegen der "subtilen Fallstudien", die Lang auf der Höhe seiner "Kunst des Gesprächs" zeige.
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