Dieses Buch verfolgt mit den Erkenntnismitteln der Psychoanalyse den Weg durch ihre eigene Geschichte, Theorie und Praxis, durch die Bildung ihrer Schulen und Bewegungen. Es ist auch eine andere Aufklärung über das emanzipatorische "Programm der Aufklärung". Die Freudsche Psychoanalyse wird als unterirdische Schöpfungsgeschichte des Subjekts entgegen der oberirdischen Ordnung herrschender Rationalität wieder bewusstgemacht und zugleich der Mythos von Ödipus als Metaphysik der Psychoanalyse erhellt. Wie Nietzsche zielt die Psychoanalyse Freuds auf eine Wiedereinführung des verlorenen konnaturalen Denkens und der Bedeutung des Leibes für die menschliche Lebenswelt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.01.2002
Die Kritik an einer medizintechnisch instrumentalisierten Psychoanalyse, die die Autoren da anbringen, leuchtet Clemens Pornschlegel schon ein. Als Nicht-Analytiker aber hat er sich ziemlich schwer getan mit dem "langatmigen Diskurs", der ihm über weite Strecken doch eher wie ein "Familienstreit unter Psy-Experten" vorkam. Hilft auch die eigens betonte Rückbindung an die klinische Alltagspraxis nichts - Falldarstellungen sucht der Rezensent vergebens. Stattdessen geht's "ums große Ganze", klinische, historische, ethnologische, religionswissenschaftliche Empirie, so Pornschlegel, komme den Autoren nicht in die Quere. Dafür Adorno, Bloch, Lacan et al. und zwar so, dass sich beim Leser "das Deja-Lu am laufenden Band einstellt". Unerhört. Zumal sich das historische Material auch noch die ideologische Zurichtung gefallen lassen muss. Unter Aufklärungskritik versteht Pornschlegel aber was anderes.
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