Hildegard Hamm-Brücher

Erinnern für die Zukunft

Ein zeitgeschichtliches Nachlesebuch 1991 bis 2001
Cover: Erinnern für die Zukunft
dtv, München 2001
ISBN 9783423242547
Taschenbuch, 355 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

1991 hat sich Hildegard Hamm-Brücher aus ihren politischen Ämtern verabschiedet, aber es war kein beschauliches Privatleben, in das sie sich zrückzog. Sie blieb streitbar und aktiv und ging keiner Öffenlichen Diskussion zu den Grundfragen unserer Bürgerdemokratie aus dem Wege. Die Kandidatur für das Amt des Bundepräsidenten brachte ihr viel Zustimmung und Ermutigung für ihr außerparlamentarisches Engagement. Im vorligenden Band sind alle wichtigen Reden und Beiträge aus Hildegard Hamm-Brüchers achtem Lebensjahrzehnt versammelt - mit historischen Bezügen weit in die Vergangenheit, aber auch im Hinblick auf ganz aktuelle Fragen. Kernaussage hinter allen Texten: Lernt aus der Vergangenheit und überlaßt die Demokratie nicht den Politikern, sondern nehmt sie als selbstbewußte Bürger in eure eigenen Hände!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2001

Klaus Natorp fragt sich zu Anfang seiner Besprechung, was denn ein "Nachlesebuch" eigentlich sein soll. Wenn man auch zu keiner befriedigenden Antwort komme, zeuge dieses Buch doch von dem immensem Fleiß der Autorin im Ruhestand. Von den 600 Texten, die sie in 120 Monaten verfasst hat, sind 51 in diesem Band zu lesen, der sich, so Natorp, durch einen klaren Schwerpunkt auszeichnet: alle Texte befassen sich - bis auf eine anerkennende Erwähnung der Bürgerbewegung in der DDR - mit dem Zustand der freiheitlich-demokratischen Ordnung des Westens. Der Rezensent kommt dann auf den Kern der "demokratiepolitischen Ziele" Hamm-Brüchers zu sprechen. Es gehe ihr um die Verwirklichung der Bürgerdemokratie, die schon im Parlament selbst in der Krise sei, denn kaum ein Abgeordneter stimme gemäß Grundgesetzartikel 38 ab, der ihn den Weisungen der Partei enthebt. Lakonisch meint Natorp, dass dieser Hinweis vermutlich generell viel Beifall finden wird, die Parteiführungen jedoch wenig beeindrucken wird. Dem Erinnern seien die eindruckvollsten Kapitel des Buches gewidmet. Natorp lobt besonders die Gedenkansprache für die Geschwister Scholl und zeigt sich beeindruckt von der "selbstkritischen Intensität" des Beitrags. Hamm-Brücher war 1942 ebenfalls an der Universität München, ohne sich jedoch in der Widerstandsgruppe zu engagieren. Dafür habe sie dann aber umso aktiver nach dem Krieg zum Aufbau der Demokratie in Deutschland beigetragen. Schließlich bemerkt der Rezensent die "Selbstkoketterie", wenn Hamm-Brücher auf ihr Leben zurückschaut und konstatiert, dass sie in ihrer Alterweisheit doch sanfter geworden ist, obwohl das pädagogische Feuer noch in ihr glühe.
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