Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus war schon immer Gegenstand großer Kontroversen, doch gab es seit den Forschungen von Hugo Ott von vor 20 Jahren keine neuen Materialien mehr, auf deren Basis Heideggers Wirken beurteilt werden konnte. Holger Zaborowski hat nun erstmals umfassend bisher unbekannte Dokumente gesichtet und kann ein ganz neues und nüchternes Bild des großen Philosophen im Nationalsozialismus zeichnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2010
Lobenswert an diesem Buch findet Dieter Thomä vor allem die Grundidee des Autors, Heideggers Stellung zum Nationalsozialismus historisch und philosophisch zu ergründen. Holger Zaborowskis Quellenarbeit dazu möchte er in allen Ehren halten. Leider, findet Thomä, hapert's an der Umsetzung der vielversprechenden Doppelperspektive. Vor allem als Historiker kann ihn der Autor nicht überzeugen: Kein eigenes Bild zur Totalitarismustheorie, keine Berücksichtigung neuerer Forschungsfragen in diesem Punkt. Auch vermisst der Rezensent die Diskussion der Kontroversen um die NS-Anfälligkeit des Früh- beziehungsweise des Spätwerks Heideggers. Dass sich Heidegger und sein Werk dem heutigen Leser zwiegespalten präsentieren, so eine Bilanz ist dem Rezensenten einfach zu wenig. Von der gründlichen Aufbereitung des Material einmal abgesehen.
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