Horst Dreier (Hg.), Christian Waldhoff (Hg.)

Das Wagnis der Demokratie

Eine Anatomie der Weimarer Reichsverfassung
Cover: Das Wagnis der Demokratie
C.H. Beck Verlag, München 2018
ISBN 9783406726767
Gebunden, 424 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Die Weimarer Reichsverfassung hat einen schlechten Ruf. Sie gilt vor allem durch den berüchtigten Artikel 48 als Fehlkonstruktion, die dazu beigetragen habe, dass aus einer Demokratie am Ende eine Diktatur wurde. Doch dieses bis heute durch die Geschichtsbücher geisternde Urteil ist falsch. Ausgewiesene Juristen und Historiker unterziehen in diesem Buch das überkommene Bild einer grundlegenden Revision. Die Autorinnen und Autoren: Pascale Cancik, Christopher Clark, Horst Dreier, Friedrich Wilhelm Graf, Dieter Grimm, Oliver F.R. Haardt, Peter Graf Kielmansegg, Marcus Llanque, Gertrude Lübbe-Wolff, Michael Stolleis, Christian Waldhoff, Ewald Wiederin und Monika Wienfort.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.01.2019

Rezensent Valentin Feneberg bekommt mit dem von Horst Dreier und Christian Waldhoff herausgegebenen Band eine Anatomie der Weimarer Verfassung. Was die beiden Rechtswissenschaftler und die im Band versammelten Beiträger wollen, erkennt Feneberg schnell. Es geht um eine Betrachtung der Verfassung und ihres Scheiterns in politischen und historischen Zusammenhängen. Statt das Scheitern aus der Verfassung selbst herzuleiten, zeigen die Autoren laut Feneberg historische Entwicklungen und politische Defizite auf. So werden für den Rezensenten in einem Aufsatz von Dreier etwa die Anwendbarkeit der damals festgelegten Grundrechte sowie Parallelen zwischen Bundesverfassungsgericht und Weimarer Strafgerichtshof erkennbar.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2018

Alexander Gallus freut sich über den Facetteneichtum der in diesem Band umrissenen Verfassungsgeschichte. Das Wagnis der Demokratie wird für ihn beim Lesen der Texte von Verfassungs- wie Neuzeithistorikern und Politikwissenschaftlern plastisch sichtbar. Dass die Konstruktion der Verfassung nicht fehlerhaft war, darin sind sich alle Autoren einig, stellt Gallus fest und lässt sich von Ewald Wiederin Beispiele ihres Gelingens in anderen Staaten oder von Friedrich Wilhelm Graf den "Imaginationsraum" der Verfassung vorstellen. Das Hoffnungsvolles damit verbunden war, lernt er auch bei Michael Stolleis, der den sozialpolitischen Anspruch der Verfassung erläutert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2018

Rolf Lamprecht empfiehlt mit etwas altbackenem Humor, aber echter Überzeugung diesen Band, in dem hochrangige Juristen wie Dieter Grimm und Horts Dreier knapp hundert Jahre nach Verabschiedung der Weimarer Verfassung ihre Stärken und fatalen Schwächen diskutiert: Denn auch wenn sie erstmals in der deutschen Geschichte postulierte, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, fehlten ihr etwa Vorrang und Bindungswirkung gegenüber einfachen Gesetzen. Vor allem aber war ihr keine Anerkennung vergönnt, wie Friedrich Wilhelm Graf erinnert, gerade einmal 300 Professoren von insgesamt 3.000 bekannte sich zu ihr, darunter Albert Einstein und Max Weber. Bemerkenswert findet Lamprecht zudem den Beitrag der Juristin Pascale Cancik, die festhält, dass für Frauen zwar das Wahlreicht galt, sie jedoch mit der Heirat in einen "Zustand größter Rechtlosigkeit" gerieten.

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