Die Aphorismen Georg Christoph Lichtenbergs sind eine Fundgrube an ironisch-skeptischen, physikalischen und privaten Momentaufnahmen, die unerschöpflich scheinen. In ihrer Kürze gleichen sie oft der vielzitierten Spitze des Eisbergs. Horst Gravenkamp hat wiederholt einzelne Gedankensplitter aufgegriffen und sich auf die Suche nach ihrer Herkunft begeben. Herausgekommen sind dabei nicht nur kleine Geschichten aus den zeitgenössischen Gesellschaftskreisen, sondern auch Erkenntnisse zu Freud und zum eigentlichen Anfang der Fotografie. Seien es turbulente Dienstmädchenpossen oder philologisch-literaturwissenschaftliche Beweisführungen - in neuen und bereits verstreut veröffentlichten Aufsätzen zieht Gravenkamp das geheime Leben des buckligen Aufklärers ans Tageslicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2012
Detlev Schöttker, Germanistikdozent in Dresden, erzählt uns ziemlich viel von Georg Christoph Lichtenberg, dessen Aphorismen ihn zum Interpretieren und Grübeln einladen. Über das Buch von Horst Gravenkamp möchte er uns scheinbar weniger sagen. Stattdessen erfahren wir vom Rezensenten, wer sich früher schon alles an Lichtenberg abgearbeitet hat, und dass es "universelle Kenntnisse" brauche, um dessen Werk angemessen zu begegnen. Die Betrachtungen Gravenkamps zu den Sudelbüchern verortet der Rezensent jedenfalls eher als biografisch und wissenschaftsgeschichtlich, entdeckt aber auch aus diesem Blickwinkel ein paar neue Erkenntnisse. Wie ihm das Buch gefallen hat, erfahren wir von Schöttker leider kaum.
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