Die Perspektive ist weit mehr als ein bloßes technisches Hilfsmittel des Malers, das die Renaissance "erfunden" hat: Sie ist ein Paradigma, ein Denkmodell mit weitreichenden Konsequenzen. Damischs kühnes Vorhaben ist es, nicht nur eine Geschichte oder Theorie der Perspektive zu schreiben, sondern ein Modell für die künftige Theorie und Praxis der Kunstgeschichte zu entwickeln und an die epistemologische Basis einer ganzen Disziplin zu rühren. In einer fruchtbaren Verbindung von Erwin Panofskys Werk und Lacans psychoanalytischem Strukturalismus, in detaillierten Analysen etwa der drei "Idealstädte" geht Hubert Damisch der Frage nach, welches in der "geometrisch" genannten Perspektive, entstanden im Italien des Quattrocento, der Ort des Subjekts ist und inwiefern sich im Dispositiv des Brunelleschi die heutige Auffassung der Wahrnehmung von Welt konstituiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.07.2010
Mit der Kritik des Kunsthistorikers Wolfgang Kemp an Hubert Damischs Abhandlung über die Perspektive in der Malerei wird der Leser Zeuge eines Expertengesprächs von fachlichen und emotionalen Gehalt. Kemp führt uns Damisch als einen Autor vor, der als Semiologe die Perspektive als "quasitranszendentale" Denkfigur begreift und diese im vorliegenden Buch mit der Lacan'schen Vorstellung der "symbolischen Ordnung" kurzschließt. Das ist für den Rezensenten schon deshalb etwas unglücklich, weil sich Damisch auf die Zentralperspektive mit einem Fluchtpunkt beschränkt. Diese Festlegung aber vertrage sich schlecht mit der "Körper-Seele-Geist-Einheit", von der die Psychoanalyse ausgeht, führt Kemp aus. Außerdem habe die streng konstruierte Zentralperspektive in der Malerei ohnehin nicht die Rolle gespielt, die ihr Damisch gerne zuerkenne, und so sieht der Rezensent die Bemühungen des Autors, die Perspektive als Denkkonstruktion der Malerei zu erklären, gescheitert.
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