Mit einem Nachwort von Manfred Papst. Nachdem im Jahre 1968 der Tod der Literatur verkündet worden war, dauerte es kein halbes Jahrzehnt, dass die Totgesagte neu erblühte. Die Repräsentanten der zerbrochenen "Gruppe 47" versahen zwar noch immer ihr Amt als "Gewissen der Nation", doch im Schatten ihrer Wortgewalt begann sich - weit weniger anspruchsbeladen - etwas Neues, Frisches zu regen: eine Erzählliteratur, die erst einmal hinschaute, bevor sie einordnete, die sich verwunderte, ohne gleich Bescheid zu wissen. Das war vielleicht weniger öffentlichkeitswirksam als die Verlautbarungen der alten Nilpferde, befreite aber umso mehr. Zu dieser neuen Generation zählte der 1944 geborene Hugo Dittberner, dessen erste Erzählungen 1973 erschienen. Sie hatten den Charme des "underground", denn sie waren zu Beginn mit der Maschine auf Wachsmatrizen getippt und mit der Hand in wenigen Exemplaren vervielfältigt: Es ging um studentische Abenteuer in einer Universitätsstadt, um Musik, um Filme - und natürlich um Mädchen. Ach, wie frei man doch damals war! Die Agenten des für tot erklärten Literaturbetriebs besaßen noch immer einen feinen Riecher und spürten sofort: Dieser Dittberner war ein Talent. Kaum hatte die Zeitschrift Akzente eine seiner Erzählungen gedruckt, war auch schon der renommierte Luchterhand Verlag zur Stelle und brachte Dittberners ersten Roman "Das Internat" (1974), gefolgt von der Erzählung "Kurzurlaub" (1976)... Nun feiert Dittberner seinen 80. Geburtstag. Eine Auswahl seiner Erzählungen versammelt der Band "Der Professor im Keller", dessen Titelerzählung eine Metamorphose schildert, wie man sie sich nur wünschen kann - weg vom präzeptoralen Gebaren und hin zum Einklang mit dem Leben hier und jetzt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.01.2025
"Zugleich alltäglich und ungewöhnlich" und damit ziemlich besonders findet Rezensentin Sieglinde Geisel die Erzählungen von Hugo Dittberner, die bis auf eine Ausnahme aus den 1970er- und 80er-Jahren stammen und glücklicherweise vom Zürcher Nimbus-Verlag neu aufgelegt werden. Die Sprache hat einen ganz natürlichen und damit doch überraschenden Ton, die Handlungen sind fast überzeitlich - ein Mann sucht seine Ex-Frau, ein anderer macht sich Gedanken über die Krebserkrankung seines Vaters, eine Zugreise zeigt uns, wie die Mitreisenden so ticken, erfahren wir von Geisel. Sie wird trotz der vertrauten Szenen Dittberners immer wieder überrascht, wenn er einer Alltagsschilderung doch wieder etwas Ungewöhnliches und zugleich Überzeugendes entlockt - "hat das Zeug zum Klassiker", versichert sie.
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