Aus dem Ungarischen von Christian Polzin, Ilma Rakusa; Agnes Relle und Kristin Schwamm. In "Weltbürger und Pilger" bietet Imre Kertesz eine moderne Interpretation der Geschichte aus dem Alten Testament; es geht um die Konkurrenz von Lebenskunst und Apathie, von melancholischer Eleganz und gewalttätigem Neid, eine Konkurrenz, die im Mord gipfelt, den Täter aber nicht erlöst, sondern sein Elend nur verlängert. "Ich, der Henker" enthält den ersten Prosatext, den Kertesz schrieb, bevor er 1960 die Arbeit an seinem großen "Roman eines Schicksallosen" aufnahm. Wir werden mit zwei Männern konfrontiert, die ihrer Sache, ihrer Geschichte, ihrer Schuld bzw. Unschuld absolut sicher sind. Der überraschende Schluss beweist die Fragwürdigkeit moralischer Überlegenheit: die biografisch schlüssigen Rechtfertigungen des Henkers provozieren die Erkenntnis seines Gegenübers, dessen "besseres" Leben sei nichts anderes als die Summe zufälliger Umstände. In den beiden Texten über Berlin und Budapest wird die existentielle Frage, wo will ich leben, auf biographisch erhellende und faszinierende Weise gelöst - auch hier der Kontrast zwischen den Zwängen eines diktierten Lebens und dem ersehnten Genuss von Freiheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.07.2007
Neu, schickt Jörg Platz seiner kurzen Besprechung dieses Bandes vorweg, sind diese Essays des ungarischen Nobelpreiträgers Imre Kertesz nicht. Der älteste, im Stil einer Selbstrechtfertigung verfasste Text stammt aus den fünfziger Jahren, der jüngste aus dem Jahr 1998. Und doch hat den Rezensenten verwundert, wie ausschließlich sie alle "um die gleiche Frage kreisen": Immer geht es, so Plath berührt, um die Selbsterforschung, den Verlust der Persönlichkeit im Nationalsozialismus und ihre ästhetische Bearbeitung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2007
Der Titel umschreibt für Rezensentin Franziska Augstein treffend die beiden Themen der Textsammlung. Zugleich sei damit aber auch angezeigt, dass es sich um eine wesentliche Publikation von Imre Kertesz handele. Schon die erste Kurzgeschichte über Kain und Abel, in der Gott den Kürzeren ziehe, sei sowohl "witzig" als auch grausam in der Schlussfolgerung, dass der Henker nun mal der Sieger sei. Beim zweiten Thema "Opfer" beziehungsweise dem den Überlebenden möglichen Leben verweise Imre Kertesz auf sein literarisches Werk, mit dem er den Deutschen "vielleicht" das Grauen in ihrer Sprache "zurückgegeben" habe. Der Transit Buchverlag, lobt die Rezensentin, habe nicht allein wichtige Arbeiten des Autors vorgelegt, er präsentiere sie auch in einer "schönen" Ausgabe.
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