Roberto Calasso

Das Buch aller Bücher

Cover: Das Buch aller Bücher
Suhrkamp Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783518430798
Gebunden, 600 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. Das Buch aller Bücher ist der zehnte Teil eines monumentalen "work in progress", dessen erster Teil, Der Untergang von Kasch, 1983 (deutsch 1997) erschienen ist. Es geht um die Bibel, hauptsächlich das Alte Testament. Nicht christlich, nicht jüdisch, nicht fachtheologisch, sondern um "die Bibel nach Calasso". Weder kritisch zerpflückend noch theoretisch vereinnahmend, sondern nüchtern und unter Kenntnisnahme der Forschung widmet sich Calassos Großessay in einer strukturierten Nacherzählung ausgewählten Teilen und Strängen der biblischen Geschichte - unter besonderer Berücksichtigung von Themen, denen der Autor von Anfang an auf der Spur gewesen ist. Vor allem dem des Opfers, dem er hier bis hin zu Jesu Tod nachgeht. Es ist eine späte Einbeziehung der Tora, der "Kinder Israels", Jahwes, des Monotheismus in Calassos Kosmos. Entsprechend nachdrücklich würdigt der Autor - Advokat des Polytheismus, der Welt der Mythen, des irreduzibel Vielgestaltigen - die Rolle, welche die Götter, Götzen, Idole Ägyptens und der Nachbarstämme immer wieder und über lange Zeit für das Volk Israel gespielt haben. Gerade diese Einfügung in die verwirrend vielfältig changierende Kultur- und Religionsgeschichte des Nahen Ostens erlaubt ihm, das Besondere und Einmalige Jahwes und der Geschichte Jahwes mit Israel zu identifizieren und, ausgreifend bis hin zu Freuds Der Mann Moses und Kafka, hervorzuheben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2023

Rezensent und Theologieprofessor Jörg Frey wird überrascht von Roberto Calassos Buch über die Bibel, bei dem es sich laut Frey um eine "Nacherzählung, Neuinszenierung und psychologisierende Imagination" der biblischen Stoffe handelt. So nehme der Autor eine Art Neuanordnung biblischer Texte und Zitate vor, die er um "Deutungen" aus der jüdischen Literatur und Zitate von Goethe oder Kafka, aber auch um Überlegungen zur Kultur Ägyptens oder zur Bibelwissenschaft ergänze. An deren Verfahren kritisiere er dabei, dass die Texte zum Teil bis zur Unkenntlichkeit "zerschnitten" würden, und stellt dem eigens verfasste Ausformulierungen des Lebens etwa von Saul oder David entgegen, die die "mythischen" Texte in "ungeschönt realistisch Miniaturen" verwandeln, wie der Kritiker erklärt. Um Christliches gehe es dabei kaum, umso mehr um jüdische Identität. Eine sowohl für Kenner als auch für Laien spannende Annäherung an die Bibel, die zugleich verschiedene "kulturphilosophische Reflexionen" anbietet, staunt Frey.

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