Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Im Frühjahr 1940 beginnt Irene Nemirovsky die Arbeit an einem Buch, das ganz in der Tradition des großen europäischen Familienromans steht. Über Jahre hat sie die träge Selbstzufriedenheit der bürgerlichen Kreise, in denen sie verkehrte, beobachtet. Sie hat erlebt, wie diese Familien sich in Sicherheit wiegen und sich weigern, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Nun will Nemirovsky ihnen den Spiegel vorhalten. Der Roman, der unmittelbar vor "Suite francaise" entstand, wurde erst posthum 1947 veröffentlicht und ist der illusionslose Abgesang auf ein Bürgertum, das feige vor der Wirklichkeit die Augen verschließt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2010
Rezensentin Sandra Kegel ist beeindruckt: der Roman über die Familie Hardelot, die seit Generationen in der französischen Provinz eine Fabrik besitzt, die sie im Zweiten Weltkrieg verliert, ist durchtränkt mit der Bedrohung und Angst jener Zeit. Irene Nemirovsky zeichnet die Hardelots nicht als nette Familie. Für ihre Fabrik tun sie alles. Ein Sohn wird verstoßen, weil er eine unpassende Partie macht. Die beiden Weltkriege werfen dann aber ganz andere Probleme auf, auch wenn die Familie das lange nicht wahrhaben will. Kegel findet das interessant erzählt: Nemirovsky unterbricht die langsame Erzählweise des 19. Jahrhunderts immer wieder mit Zeitsprüngen und nutzt dazu die Montagetechnik des Films. Ein Lob geht auch an die "kluge" Übersetzung von Eva Moldenhauer.
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