Aus dem Spanischen von Kristin Lohmann und Luis Ruby. Als Elyssa, Gründerin und Königin von Karthago, auf eine Gruppe Schiffbrüchige trifft, erkennt sie im trojanischen Helden Aeneas, der aus seiner Heimat fliehen musste, ihr eigenes Schicksal. Unter der Regie von Eros entflammt eine Liebe zwischen den beiden, und sie träumen davon, Karthago in eine florierende Stadt ohne Gewalt, Niedertracht und Leid zu verwandeln. Doch die Götter haben andere Pläne und stellen Aeneas vor eine schwierige Entscheidung.
Rezensentin Nora Karches ist überhaupt nicht enttäuscht, dass Irene Vallejo in ihrer Prosafassung von Aeneas und Dido keine moderne Motivdeutung vornimmt, sondern ganz nah am antiken Stoff und an Vergils "schwermütigem Ernst" und "hohem Ton" bleibt. Im Gegenteil: Karches schwelgt in der Tragik der behandelten Liebe. Und dann entdeckt sie doch eine Besonderheit. Vallejo zeichnet Dido als verletztliche Frau und Aeneas als traumatisierten Krieger, stellt sie fest. Eine Gegendarstellung aber ist das nicht, meint sie, auch wenn Vallejo Menschen statt Helden zeigt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024
Freundlich, aber nicht enthusiastisch bespricht Rezensent Jobst Welge Irene Vallejos Roman, der auf einer Episode in der Vergil'schen "Aeneis" basiert. Dabei geht es um die Liebe der Karthagerkönigin Elyssa (bei Vergil: Dido) zu Aeneas, der, schiffbrüchig in ihren Armen gelandet, nicht für immer bleibt, sondern in höherem Auftrag weiter zieht. Vallejo erzählt diese Geschichte laut Welge aus mehreren Perspektiven. Neben Aeneas und Elyssa rücke unter anderem auch die Schwester der Letzteren gelegentlich ins Zentrum. Sprachlich schwankt das zwischen einer Anverwandlung des Vergil'schen Textes auf der einen Seite, parodistischen und alltagspsychologischen Passagen auf der anderen, meint Welge. Die Handlung wird hier und da modifiziert und auch modernisiert, letzteres aber, so der Kritiker, in nicht allzu spannender Manier.
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