Isabel Feichtner

Bodenschätze

Über Verwertung und Vergesellschaftung
Cover: Bodenschätze
Hamburger Edition, Hamburg 2025
ISBN 9783868543933
Broschiert, 304 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Wem gehört die Stadt? Wem gehört das Land? Wem gehört der Meeresboden? Über Jahrzehnte hinweg wurde Stadtboden privatisiert, und auch der Ozeanboden wird verwertet. Unternehmen wollen in der Tiefsee Mineralien fördern, die für die Batterien von E-Autos benötigt werden. Wohnimmobilien und Tiefseemineralien sind zu Anlageobjekten geworden, die Verwertung des Bodens hat weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen. Selbst wenn beide Orte denkbar weit voneinander entfernt liegen, lassen sich anhand der Prozesse ihrer Verwertung und Bewertung fundamentale Fragen unserer Gegenwart verhandeln. Und der Widerstand wächst. Spätestens seitdem die Bürgerinitiative "Deutsche Wohnen & Co. Enteignen" im September 2021 in Berlin eine hohe Zustimmung in einem Volksentscheid erreicht hat, wird über die Vergesellschaftung des Stadtbodens diskutiert. Zugleich bilden sich Koalitionen gegen Tiefseebodenbergbau. Gegenrechte werden gegen die Verwertung des Bodens mobilisiert, und es wird deutlich, wie Bewohnbarkeit ins Zentrum einer planetaren Politik rücken könnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2025

Rezensent Kim Christian Priemel zeigt sich beeindruckt von Isabel Feichtners präziser Analyse und ihrem leidenschaftlichen Plädoyer für eine andere Sicht auf Boden: nicht als Ware, sondern als Gemeingut. Ausgehend von der Frage, warum Boden überhaupt verkäuflich ist, verbindet die Juristin auf kluge Weise, so der Kritiker, die Berliner Wohnungspolitik mit der globalen Ausbeutung des Meeresbodens. Sie zeichnet ein "ambivalentes Bild" der in Jamaika ansässigen Meeresbodenbehörde, analysiert souverän den Zusammenhang von Eigentum, Kapital und Umweltzerstörung und fordert einen Paradigmenwechsel hin zu einer "transformative[n] Rechtswissenschaft". Statt ökonomischer Verwertungslogik soll eine Sozialwertlogik treten, lesen wir. Besonders eindrucksvoll ist für Priemel, wie Feichtner dabei zwischen Beobachtung und Engagement changiert: als Mieterin, Wissenschaftlerin und politische Kommentatorin. Ein "engagiertes Buch", so der Rezensent, das Hoffnung macht - und zum Handeln aufruft. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.06.2025

"Ein politisch wie intellektuell hochinteressantes Projekt", sieht Rezensent Michael Wolf in dem Buch der Juristin Isabel Feichtner, die Eigentumsverhältnisse an Böden in den Blick nimmt. Zwei Beispiele stellt Feichtner ins Zentrum ihres Buches: die Kampagne "Deutsche Wohnen und Co. enteignen", die sie auch selbst unterstützt, wie der Kritiker weiß, und den Protest indigener Küstenbewohner auf Jamaica gegen die wirtschaftliche Nutzung des Ozeangrundes. Da merkt man schnell, wo die Autorin politisch steht, aber "der mitunter klassenkämpferische Ton geht nicht zulasten der analytischen" Korrektheit, versichert der Kritiker. Im Gegenteil weiß die Juristin auf kluge Weise, das bestehende Recht zu kritisieren, das soziale Ungerechtigkeit fördert und große Konzerne gegenüber Individuen bevorzugt. Öffentlicher Raum wird so vom Gemeingut zum Eigentum transformiert, legt Feichtner für Wolf nachvollziehbar dar. Wer also für gerechtere Eigentumsverhältnisse kämpfen will, muss erstmal an den juristischen Stellschrauben drehen, lernt der Rezensent, den die unterschwellige "revolutionäre Romantik" in diesem Buch nicht stört.

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