Aladdin betreibt das Café am Dorfausgang, aber er hat nur einen einzigen Gast. Konvois und Soldaten sind in den staubigen Straßen, die Häuser haben keine Schlösser, und Aladdin ist schon mehrere Male gestorben.
Aladdin heißt eigentlich Albert und ist Statist in einem bayerischen Trainingscamp für Afghanistansoldaten. Aber ist Albert nicht eigentlich Aladdin? Albert wird sich immer unsicherer und schon bald ist nicht mehr klar, was Spiel ist und was Ernst - die afghanische Ehefrau, die Blendgranaten, der Sack über dem Kopf?
Isabelle Lehn lässt uns in "Binde zwei Vögel zusammen" die Verunsicherung durch Medien und Weltgeschehen spüren. Und vielleicht sind wir alle irgendwie Albert, im deutschen Niemandsland zwischen Krieg und Inszenierung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2016
Rezensent Simon Strauß bleibt vieles lange im Gedächtnis von Isabelle Lehns Debütroman. Die Geschichte um einen jungen Statisten in einem Trainingscamp der Bundeswehr, der seine Opfer-Rolle irgendwann nicht mehr abzulegen vermag, überzeugt Strauß als packender Psychoroman. Gerade der Umstand, dass hier vom Schrecken des Krieges nur in der Möglichkeitsform erzählt wird, scheint Strauß verantwortlich für den bleibenden Eindruck beim Leser. Dass der Roman von der Heimkehrer-Story a la "Homeland" bald zur komplexen Parabel auf Identitätskrisen und virtuelle Realitäten und zur dichten Studie über die Wirkung der Bilder mutiert, gefällt Strauß, zumal die Autorin die inneren Monologe im Text mit Sorgfalt entwirft, wie er schreibt. Kein leichtes, gefällig geschriebenes Buch, räumt der Rezensent ein, aber eins das fesselt und dauert, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.08.2016
Rezensent Tobias Lehmkuhl hält Isabelle Lehns kleinen Roman für eine runde Sache. Die Geschichte um einen Journalisten, der zwecks Recherche in einem bayrischen Trainingscamp für Afghanistan-Soldaten anheuert und dann nicht mehr von seiner Rolle als CoB Aladdin, Civilian on the Battlefield, loskommt und eine Doppelexistenz führt, hat Lehmkuhl verdeutlicht, wie schwer es ist, über Flüchtlingsschicksale zu berichten und wie die mediale Dauerpräsenz unsere Existenz bestimmt.
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