Nicht jeder Blick in den Spiegel ist schmeichelhaft. Der Spiegel, der Deutschland durch den Afghanistaneinsatz entgegengehalten wird, wirft ein problembeladenes Bild zurück. Die blinden Flecken auf diesem Spiegel verdecken Realitäten und verwischen Konturen. Afghanistan ist ein Musterbeispiel deutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Denn wie in einem Brennglas zeigen sich in diesem Einsatz die Probleme und Schwierigkeiten, die Dissonanzen und Funktionsschwächen sowie die Unzulänglichkeiten und Dilemmata der gegenwärtig praktizierten Politik der globalen Sicherheitsvorsorge. Blickt man auf diesen mehr als zehnjährigen Einsatz zurück, bietet sich ein verwirrendes Panorama: enorme Aufwendungen stehen neben ernüchternden Resultaten, beachtliche Fortschritte konkurrieren mit einer labilen Gesamtlage.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.02.2014
Als traditionelle Gegner der Briten und Russen seien die Deutschen in Afghanistan früher richtig beliebt gewesen, stellt Rudolph Chimelli in seiner absurden Besprechung dieses Buchs von Klaus Naumann fest, aber leider hätten sie durch den Einsatz am Hindukusch diesen Vorteil verwirkt. Und zwar weil sie die afghanischen Grundwahrheiten nicht verstanden, wie Chimelli meint: Der afghanische Stammesälteste an und für sich kämpft gern, lässt sich nicht unterwerfen und niemals kaufen, nur mieten. Unklar bleibt, ob Afghanen sich ändern können oder nicht, mitunter weiß Chimelli nicht genau, wohin mit seinem Argument. Leider erfährt man auch nicht, was nun in Naumanns Bilanz des deutschen Afghanistaneinsatzes steht, Chimelli stellt nur recht allgemein in den Raum, dass sich dessen Analyse mit seiner eigenen decke.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2014
Im positivsten Verständnis herausfordernd findet Winfried Heinemann das Buch des Hamburger Sozialforschers Klaus Naumann zur sicherheitspolitischen Debatte. Die Frage, wer genau sich eigentlich in Afghanistan engagiert hat, die Politik, das Militär oder der Bürger, hält Heinemann für wichtig. Vor allem, wenn sie argumentativ so stringent und in derart gestochener Diktion erörtert wird wie in diesem Buch. Naumanns Feststellung, dass bedeutsame Veränderungen in der Verteidigungspolitik seit 1990 im öffentlichen Bewusstsein noch gar nicht angekommen sind, frappiert den Rezensenten ebenso, wie die Beobachtungen von Sprachlosigkeit der Politik beim Umgang mit den Einsätzen am Hindukusch, die der Autor beobachtet. Die Forderung des Autors nach einer besser vernetzten Sicherheitspolitik findet Heinemann trotz des ein oder anderen überpointierten Urteils im Buch entsprechend richtig.
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