Aus dem Französischen von Jan Schönherr. Jamón erbt von seiner exzentrischen Kusine einen verschlossenen Koffer, den er als Nachttisch vor seinem Bett in Mexiko-Stadt aufstellt. Jahrelang öffnet er ihn nicht und geht indes seiner Geschichte nach. Dabei entdeckt er diverse Geheimnisse, unter anderem jenes von Olivia, die in den dreißiger Jahren aus großbürgerlichen Verhältnissen in Mexiko-Stadt ausbrach und, vom Revolutionsfieber in Spanien angesteckt, nach Madrid ging. Dort herrschte eine aufgeregte Stimmung, man wollte dem Faschismus die Stirn bieten.Als Jamón sich endlich entschließt, den Koffer aufzumachen, kommt ein unermesslicher Schatz an die Öffentlichkeit: Tausende bislang unbekannter Negative von Robert Capa, Gerda Taro und Chim aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Isabelle Mayault beschreibt Menschen im Exil, im Aufbruch. Angeregt von einem realen Ereignis erinnert sie an weltberühmte Fotografen und porträtiert vier Frauen, die mutig und angstfrei ihre Träume verwirklichen, mit feministischem Engagement für eine bessere Welt kämpfen und am Ende einen unermesslichen Kunstschatz retten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.09.2020
Carsten Dippel liest gebannt, was die Journalistin Isabelle Mayault aus dem Material um die Geschichte des sagenhaften Fotokoffers der großen Kriegsreporter Robert Capa, Gerda Taro und David Seymor macht. Kunstvoll und spannend zu lesen, wie die Autorin mit Rückblenden und Sinn fürs Zeithistorische die Geschichte des Koffers erzählt, den Capa voller Negative aus dem Spanischen Bürgerkrieg in Paris zurücklassen musste, als die Deutschen einmarschierten, und mit einer fiktiven Story verschneidet, findet Dippel. Der feministische Blick der Autorin kommt auch in diesem Buch zur Geltung, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.05.2020
Rezensent Nicolas Freund kann Isabelle Mayaults Romandebüt nicht viel abgewinnen. Die französische Journalistin nimmt sich hier der sagenumwobenen Geschichte um eine lange verschollene Fotosammlung der Kriegsfotografen David Seymour, Gerda Taro und Robert Capa an. Dabei habe sie es sich, so Freund, zum Projekt gemacht, die Leerstellen der Geschichte auszufüllen, was für den Rezensenten allerdings an der fehlenden Sachkenntnis über die historischen Figuren und Ereignisse scheitert. Auch Mayaults Spiel mit einer "literarischen Darstellung von Fotografie" führe letztlich nur zu einer Aneinanderreihung "lose verbundener Schnappschüsse", bedauert der Rezensent. So füge die Autorin dem ohnehin schon romanreifen Stoff "viel hinzu, ohne wirklich etwas hinzuzufügen", schließt er.
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