Helena Janeczek

Das Mädchen mit der Leica

Roman
Cover: Das Mädchen mit der Leica
Berlin Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783827013989
Gebunden, 352 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Gerda Taro. Als Gerta Pohorylle in Stuttgart geboren, in der Schweiz erzogen, in Leipzig zur überzeugten Sozialistin geworden, floh sie vor den Nazis nach Paris. Dort begegnete sie Robert Capa, auch er ein Hunger leidender jüdischer Flüchtling. Die beiden verlieben sich und arbeiten von nun an gemeinsam. Beide dokumentierten sie den Spanischen Bürgerkrieg, aber sie bezahlte diesen Einsatz mit dem Leben. Zu ihrer Beerdigung in Paris kamen Zehntausende; Capa führte mit Louis Aragon und Pablo Neruda den Trauerzug an und Alberto Giocometti schuf ihr Grabmal. Dann wurde Gerda Taro vergessen - bis 2007 in New York ein lang verschollener Koffer geöffnet wurde, darin fand man ihre Negative ... Wer war diese ungewöhnliche junge Frau, die ein paar Jahre lang ganz Paris den Kopf verdrehte? Helena Janeczek hat sie in diesem Roman nacherfunden. Aus den Splittern der Erinnerung dreier alter Freunde setzt sie ein Bild zusammen und setzt Gerda Taro damit ein über die Fakten hinausreichendes, literarisches Denkmal.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2020

Beeindruckt ist Rezensent Niklas Bender sowohl von der Protagonistin als auch von der komplexen Konstruktion dieser "Biofiktion", wie er sie nennt. Das erotisch ungebundene Leben der tragisch im Spanischen Bürgerkrieg ums Leben gekommenen Fotografin Gerda Taro werde hier erzählt aus der Perspektive zweier Männer, die zu unterschiedlichen Zeiten mit ihr zusammen waren. So gelingt es der Autorin nach Meinung des Kritikers, den "Egoismus" der flatterhaften Gerda Taro, deren enormen Mut er immerhin auch würdigt, sowohl zu thematisieren als auch zu relativieren. Manchmal mag ein in der Geschichte des Exils und der Dreißiger Jahre weniger bewandertes Lesepublikum etwas in den Zeitebenen des Romans umher irren. Dennoch findet Niklas Bender diesen Roman zu Recht 2018 in Italien mit dem Premio Strega ausgezeichnet.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.05.2020

Rezensent Hartmut Burggrabe empfiehlt Helena Janeczeks Buch über die Kriegsfotografin Gerda Taro nicht nur als gelungenes Porträt, sondern auch als Zeitpanorama. Die in Italien lebende deutsche Autorin zeichnet aus der Sicht dreier Bezugspersonen Taros ein Bild der eigenwilligen Frau, die als erste weibliche Kriegsfotografin nach Spanien ging, aber oft in den Schatten ihres Ehemanns Robert Capa gestellt wird, erklärt der Rezensent. Dass die fragmentarische, multiperspektivische Struktur des Romans Janeczeks Bewusstsein für die literarische Konstruiertheit bezeuge, gefällt Burggrabe. Nur im breitgefächerten Zeitpanorama, das der Roman gleichzeitig entfaltet, findet sich ab und an "ein kleiner Schlenker zu viel", meint er. Insgesamt aber eine "kluge Hommage" und ein "dichtes" Zeitbild, das den Rezensenten auch in der gelungenen Übersetzung von Verena von Koskull überzeugt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2020

Rezensentin Maike Albath hat Helena Janeczek in ihrer Wahlheimat Gallarate bei Mailand getroffen, um mit ihr über deren Roman "Das Mädchen mit der Leica" zu sprechen. Darin erzählt die Autorin der Kritikerin zufolge die Geschichte der jüdischen Kriegsfotografin Gerda Taro. Aus den fiktiven Berichten dreier Wegbegleiter entsteht laut Albath die Biografie einer "betörenden" jungen Frau, deren Lebenshunger ansteckend war. In den Augen der Rezensentin trifft die Autorin einen genau im richtigen Maß sachlichen Ton, um fesselnd, aber nicht pathetisch über eine faszinierende historische Persönlichkeit zu schreiben - und Verena von Koskull hat ihn hervorragend übersetzt, lobt Albath.
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