Isak Samokovlija

Der Jude, der am Sabbat nicht betet

Erzählungen
Cover: Der Jude, der am Sabbat nicht betet
Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2018
ISBN 9783864060878
Gebunden, 320 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Ilija Trojanow. Mit einem Nachwort von Dzevad Karahasan. Aus dem Serbokroatischen von Werner Creutziger, Waltraud und Manfred Jähnichen. Die Erzählungen schlagen einen Bogen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre: Jahrhundertelang Teil des Osmanischen Reiches, gehörte Bosnien nun zur Föderativen Volksrepublik Jugoslawien. Samokovlija wirft Schlaglichter auf die wechselvollen Machtverhältnisse, denen eines gemeinsam ist: die Ausgrenzung und Verfolgung der Juden. Anrührend und voller Empathie lässt er die jüdische Enklave Bosniens, die überwiegend aus Sepharden besteht, auferstehen. Die ärmlichen Lebensumstände seiner Figuren beschreibt er höchst realistisch, sein besonderes Interesse gilt jedoch ihrem Denken und Fühlen: Samokovlija schlüpft gleichsam in ihre Haut. Der arme Händler Juso, der schwermütige Schuster Rafael Mačoro und die leidenschaftliche Zigeunerin Hanka erscheinen vor dem Leser plastisch wie auf einer Bühne. Mit all ihren Sehnsüchten und kleinen Freuden, die dem mühseligen Alltag abgetrotzt sind. Menschen, die ihre Würde bewahren, sich den beengten Verhältnissen widersetzen, die eines fordern: das "Recht auf Freude im Leben".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.10.2018

Rezensent Volker Breidecker lernt die bosnischen Sepharden kennen mit Isak Samokovlijas Erzählungen. Eine untergegangene Welt ruft ihm der bosnisch-jüdische Autor in Erinnerung. Durchmischt mit türkischem und serbischem Wortgut und Judäo-Spanischem, die die Übertragung laut Breidecker dankenswerterweise bestehen lässt und im Glossar erläutert, scheinen ihm die nach Art eines orientalischen Diwans in verschachtelten Binnenerzählungen organisierten Meistererzählungen das Ergebnis aufmerksamen Zuhörens zu sein. Samokovlija, Arzt und Dichter, hält den menschlichen Reichtum aus drei Generationen fest, schwärmt Breidecker. Die Texte umfassen die Zeit zwischen Österreich-Ungarn in Bosnien bis nach 1945, erklärt er.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2018

Für Ilma Rakusa sind die Erzählungen des bosnisch-jüdischen Autors Isak Samokovlija Boten aus einer untergegangenen Welt. Das Leben und Leiden bosnischer Sepharden schildert der Autor laut Rakusa mit Blick auf die Figuren und ihr ärmliches soziales Umfeld, weniger auf die historischen Hintergünde. Wie Samokovlija ihr Innenleben und Milieu ausleuchtet, erinnert Rakusa an Tschechow. Samokovlijas Lakonie und seltene Poesie (bei den Naturbeschreibungen) lassen die von der Shoah ausgelöschte Welt für Rakusa empathisch und mit "erzählerischer Prägnanz" schmerzhaft auferstehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2018

Rezensentin Nicole Henneberg geht die Seelenverwandtschaft von Isak Samokovlija und Anton Tschechow unmittelbar auf beim Lesen dieser Geschichten um die "scheuen" sephardischen Juden Sarajevos in der Zeit vom Bosnischen Aufstand 1875 bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Den kritischen moralischen Anspruch erkennt sie auch bei Samokovlija, wenn der das emotionale Geflecht, den verdrängten Schmerz, die Leidenschaften und Sehnsüchte seiner Figuren analysiert. Für Henneberg mitunter ein rasantes inneres Drama, in jedem Fall zutiefst menschlich, meint sie.
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