Aus dem Japanischen von Ruth Linhart. "Einsamer als der Wintersturm", diese Zeile aus dem ersten Gedicht der Sammlung "Trauriges Spielzeug" ist gleichsam das Motto der 194 Tanka. Takuboku füllt die traditionellen 31-silbigen Gedichte mit neuem Inhalt. Statt die Natur zu besingen und seit Jahrhunderten festgefügte sprachliche Bilder und Symbole zu verwenden, wirft er in einer modernen Sprache scharfe Blitzlichter auf die traurige Existenz seiner letzten Lebensjahre.
Für Takuboku, der mit 26 Jahren starb, sind diese Tanka sein Tagebuch, sein Trost und sein Spielzeug. Er demaskiert darin seine eigenen Hoffnungen und Illusionen. Gnadenlos ehrlich schildert er seine letzte Lebensphase, Krankheit, Schulden, Streit in der Familie - und doch in ergreifenden Szenen auch seine Zuneigung zu seinem Kind und seine Liebe zum Leben. Es sind Gedichte, die die Kluft zwischen den Kulturen und Zeiten überbrücken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2018
Nico Bleutge führt den Lyriker Ishikawa Takuboku als einen der großen Tanka-Dichter Japans vor. Tankas sind die größeren Schwester der Haikus, sie bestehen aus fünf Versen mit einem Silbemschema von 5-7-5-7-7. Takuboku verbrachte wie auch Wakayama Bokusui sein Leben in Armut, doch als er mit 26 Jahren starb, staunt Bleutge, hatte er zweitausend Gedichte geschaffen, von denen der Verlag Waldgut-Verlag in einer wahrlich großzügig bemessenen Ausgabe siebenhundert präsentiert. Der Rezensent sieht in ihnen viele bedeutsame Momente aus dem Leben des Dichters festgehalten, und von Ruth Linhart auch nuancenreich übertragen.
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