Aus dem Albanischen von Joachim Röhm. Ismail Kadare erzählt in diesem "ägyptischen" Roman von der Errichtung der gewaltigen Cheops-Pyramide, die gebaut wurde, um die Herrschaft des jungen Pharao zu festigen und jene rebellischen Kräfte zu binden, die aus Überfluss und Wohlleben entstanden waren. Kadare zeichnet das hypnotische Bild einer Welt, in der die Zeit nicht in Monaten oder Jahren, sondern in abgezählten Steinen gemessen wird und in den millionenfachen, grausamen Todesfällen, die durch Transport und Bau verursacht werden. Reale wie eingebildete Verschwörungen gegen dieses monumentale Bauwerk werden unnachsichtig bestraft. Aus Kadares vielsagender politischer Parabel spricht die Erfahrung totalitärer Herrschaft im 20. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2014
Wie etwas trüb und gleichzeitig transparent erscheinen kann, erfährt Andreas Breitenstein bei der Lektüre von Ismail Kadares Roman "Die Pyramide". Meisterhaft gelingt es darin dem Autor, die Errichtung des monumentalsten Grabes - der Cheops Pyramide - mit der kommunistischen Diktatur Enver Hoxhas in Albanien subtil und geistreich zu verknüpfen, lobt der beeindruckte Rezensent. In mehreren Erzählsträngen treibt Kadare den Leser schonungslos durch die Jahrhunderte und konfrontiert diesen - ohne Hoffnung auf innere Befreiung - mit den Schrecken der Macht, fasst Breitenstein zusammen. So lädt der nach 22 Jahren nun auch auf Deutsch vorliegende Roman den Rezensenten zur Kontemplation über die Megalomanie und die Menschenverachtung, die Schizophrenie und Paranoia unter totalitären Herrschaft ein.
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