Der Pietismus hat in Graubünden als bedeutende Frömmigkeits- und Geistesbewegung seit dem 17. Jahrhundert im Sinne einer "zweiten Reformation" zwar nur einen unzureichenden Nährboden gefunden, aber dennoch seine Spuren hinterlassen. Der Autor zeichnet den Hintergrund in staats-, gesellschafts-, wirtschafts- und religionspolitischer Hinsicht wie auch die konfessionelle Ausgangslage nach, die der Pietismus vorfand. Den bedeutendsten Vertretern dieser Glaubensrichtung, der Pfarrfamilie Gillardon, die intensive Kontakte mit August Hermann Francke in Halle pflegte, und Pfarrer Daniel Willi, wird breiter Raum eingeräumt. Es stellte sich hingegen heraus, dass Hortensia Gugelberg, geb. von Salis (1659-1715), nicht als "Pietistin", sondern lediglich als Vertreterin einer orthodox-reformierten Glaubenshaltung bezeichnet werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2002
Über J. Jürgen Seidels Abhandlung verliert der Rezensent Thomas Maissen nur wenige Worte. Der Autor hat sich, lautet die spärliche Auskunft, mit dem Pietismus in Graubünden beschäftigt und erkannt, dass diese Lebenshaltung ein attraktives pädagogisches Angebot für den Adel und die Geistlichkeit bot. Das zeigt Seidel laut Maissen an dem Churer Pfarrer Daniel Willi, der einen mystischen Katechismus verfasst habe, sich aber trotzdem nicht von der Kirche trennen mochte.
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