32 Tafeln. Dürfen Untertanen die Waffen gegen die Obrigkeit ergreifen? Was ist die Neutralität, und haben die Eidgenossen sie richtig gehandhabt? Sind Tiere, wie Descartes behauptet, Automaten? Sind die Kometen Vorboten göttlicher Strafen? Kann sich der Teufel mit einer Hexe fleischlich vermischen? Solche Fragen erörtern die Mitglieder der drei frühesten deutschsprachigen Aufklärungsgesellschaften, die wöchentlich in Zürich zusammenkommen: das Collegium Insulanum und seine Nachfolger, die Collegia der Vertraulichen und der Wohlgesinnten. Die Beschäftigung mit den neuartigen Lehren von Grotius, Copernicus, Descartes und Spinoza zahlt sich aus: Alle fünf Zürcher Bürgermeister, die zwischen 1711 und 1740 gewählt werden, haben die Collegia besucht. Ebenso die Anführer der Zürcher Bürgerbewegung von 1713. Das Buch revidiert die auf Koselleck, Habermas, Im Hof und van Dülmen fußende Lehrmeinung, die deutschsprachigen Sozietäten hätten sich erst ab 1770 politisiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2002
Zürich als europäische Revolutions-Avantgarde? Ursula Pia Jauch glaubt es kaum. Was die Historiker Kempe und Maissen in ihrer Studie allerdings zutage fördern, scheint sie zu überzeugen. Derart gründlich durchforsten die beiden "bisher ungesichtetes Quellenmaterial", stellen einen Anhang aus gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Zürich wirkenden Geistlichen, Professoren, Magistraten, Medizinern und sogar Handwerkern zusammen und erörtern deren Diskurse über die Prinzipien des Naturrechts, die Bewaffnung der unteren Schichten oder innertheologische Fragen, dass Jauch die von den Autoren geforderte Revision schließlich befürwortet: Der von Kapazitäten wie Habermas, Koselleck und anderen vertretene Standpunkt, wonach die deutschsprachigen Sozietäten sich erst ab 1770 politisiert hätten, gehört korrigiert. Die Zürcher haben den homo politicus in sich schon gute hundert Jahre früher entdeckt!
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