J. M. Coetzee

Elizabeth Costello

Acht Lehrstücke
Cover: Elizabeth Costello
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783100108203
Gebunden, 285 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke. Mit der australischen Romanautorin Elizabeth Costello hat J. M. Coetzee eine irritierend-humane, moralische und kompromisslose Figur geschaffen. Acht essayistische Erzählungen zeigen die alte Dame in ihrem intellektuellen Nomadentum als leidenschaftliche Kulturkritikerin zwischen Provokation und Ratlosigkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.11.2004

Klaus Irler kann der Begründung für die Vergabe des Nobelpreises an den süafrikanischen Schriftsteller J.M. Coetzee nur zustimmen: bei ihm erweise sich "jede Unterscheidung von gut und böse als unbrauchbar", greift Irler die Argumentation des Nobelpreiskomitees auf, obwohl sie doch klar auf der Hand liege. Als Coetzee im Oktober 2003 der Nobelpreis zugesprochen wurde, lag "Elizabeth Costello" nur auf Englisch vor, mittlerweile gibt es ihre "acht Lehrstücke", so der Untertitel, auch auf Deutsch. Für Irler stellt "Elizabeth Costello" - im Buch eine nicht mehr schreibende Schriftstellerin, die als vortragsreisende moralische Instanz durch die Lande fährt und mit Vergnügen heiße Eisen anspricht - mehr als ein Thesen verbreitendes Sprachrohr des Autors Coetzee dar; ihre Vorträge seien immer in kleine, gut beobachtete Szenen eingebaut, ihr Themen werden stets durch genaue Milieubeschreibungen kontrastiert, stellt er klar. Insofern stehe das neue Buch dem Fiktionalen immer noch näher als dem Essay, auch wenn viele Kritiker Coetzee diese Richtung einschlagen sähen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2004

Dieses aus Essays, Vorträgen und öffentlich ausgetragenen Diskussionen bestehende Buch wirkt in der deutschen Übersetzung noch "didaktischer" als im englischen Original, das die acht "Lehrstücke" des Untertitels etwas schlichter als "lessons" bezeichnet, meint Angela Schader. Hauptperson ist die fiktive australische Schriftstellerin Elizabeth Costello, die sich auf einer erschöpfenden Lesereise befindet und auf verschiedenen Veranstaltungen ihre Ansichten über "Das Leben der Tiere" oder die afrikanische Literatur" vorträgt, erklärt die Rezensentin. Sie betont, dass hier nicht etwa der südafrikanische Autor J. M. Coetzee argumentiert, sondern seine Protagonistin ihre zum Teil widersprüchlichen und angreifbaren Thesen vertritt. Insbesondere der Vergleich, den die Schriftstellerin zwischen dem Holocaust und Schlachthöfen anstellt, stellt einen "massiven Affront" dar, dessen Sinn die Rezensentin, wie sie zugibt, auch nicht ganz entschlüsseln kann. Costellos Ansichten sind im "steten Halblicht der Kritik und des Zweifels" gehalten und das Buch, obwohl es sich als "Thesenroman" ausgibt, erhält dadurch eine "deutlich literarische Prägung", so Schader.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.04.2004

Hilal Sezgin nimmt sich viel Raum zur Besprechung des neuen Buches des südamerikanischen Schriftstellers J. M. Coetzee. Hauptfigur des im Untertitel "Lehrstücke" bezeichneten Buches ist die Titelfigur Elizabeth Costello, die die Leser schon flüchtig aus dem Band "Das Leben der Tiere" kennen, erklärt die Rezensentin. Während Elizabeth Costello darin vor allem als Verteidigerin der Rechte der Tiere auftritt, wird sie nun als Schriftstellerin eines berühmt gewordenen Romans mit feministischen Ansichten vorgestellt, fasst Sezgin zusammen. Sie bemerkt, dass das Porträt Costellos, das Coetzee in seinen acht "Lehrstücken" zeichnet, gleichermaßen detailliert wie lückenhaft ist: offensichtlich gehe es dem Autor nicht um "Vollständigkeit" oder "Konsistenz" bei seiner Figurenzeichnung. Auch ist Coetzee anscheinend nicht an "erzählerischer Geschmeidigkeit" gelegen, denn in dem Buch, dass sich aus Gesprächen, Diskussionen und öffentlichen Vorträgen zusammensetzt, wird eine "schriftstellerische Regelverletzung" nach der anderen begangen, so Sezgin durchaus bewundernd. Entstanden ist so ein "filigranes, rätselhaftes" gegen Ende hin gar "surrealistisches" Werk, das dem Leser einiges an "Konzentration" abverlangt, wie die Rezensentin betont. Dabei gehe es dem Autor letztlich um nichts anderes als um die Darstellung der "Unbegrenztheit der Vorstellungskraft" und die schriftstellerischen "Möglichkeit, Subjektivität auszuloten", erklärt Sezgin. Es gefällt und imponiert ihr, dass Coetzee dabei nie aufhört, die "Weiblichkeit" seiner Protagonistin zu "verteidigen", auch dort, wo er sie aus "fiktiven männlichen Augen" betrachtet.
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