Aus dem Französischen von Uli Wittmann. Nobelpreisträger Le Clézio erzählt in seinen beiden Novellen von Menschen, die nach schweren Schicksalsschlägen und Zeiten des Verlorenseins die Kraft für einen Neuanfang finden.
So wie der Journalist Philip Kyo, der auf der koreanischen Insel Udo einer verlorenen Liebe nachspürt und der schwer an einer Verfehlung in seiner Vergangenheit trägt. Zwischen ihm und der 13-jährigen vaterlosen June entspinnt sich eine besondere Beziehung, die für beide zum Auslöser wird, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.
Anders die Geschichte von Rachel aus der zweiten Novelle. Als ihre Familie zerbricht und sie ihr geliebtes Afrika verlassen muss, um nach Frankreich zu ziehen, ist sie gezwungen, sich in einem langen, schmerzhaften Prozess nicht nur nach außen, sondern auch im Verhältnis zu ihrer Familie neu zu orientieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.06.2017
Mit gemischten Gefühlen bespricht Niklas Bender die beiden neuen Novellen des Literaturnobelpreisträgers Jean-Marie Gustave Le Clezio. Einmal mehr entdeckt der Kritiker bei dem Autor mehr "gefälliges Gefühl" als "literarische Feinheit", was für ihn zumindest mit Blick auf die titelgebende Novelle allerdings nichts Schlechtes bedeutet: Die Geschichte um die mehrdeutige Beziehung zwischen dem suizidalen Ex-Häftling und Möchtegern-Schriftsteller Kyo und der dreizehnjährigen June, die eine ganze Menge familiärer Probleme mitbringt, erscheint Bender "glaubwürdig". Charmant und kraftvoll findet der Rezensent zudem, wie Clezio die Krisen seiner Helden miteinander verknüpft, der "Lolita-Falle" entgeht und dabei das "poetische" Motiv der auf der koreanischen Insel Udo lebenden, nach Muscheln tauchenden Seefrauen mit einflicht. Die zweite Novelle, die von der bei dem Vergewaltiger ihrer Mutter lebenden Rachel erzählt, wirkt auf den Rezensenten hingegen eher unentschlossen und "lau": Ein "Potpourri des Schreckens" ohne "Dynamik" und "Akzente", moniert Bender.
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