Aus dem Französischen von Christian Kolb. Während einer Geschäftsreise läuft Éric Kherson müde und ausgebrannt durch die Straßen Seouls und landet in einem Happy Life - ein Ort, an dem das Self-Help-Ritual der eigenen Fake-Beerdigung angeboten wird. Éric lässt sich spontan darauf ein. Umgeben von Stille und Dunkelheit spürt er plötzlich, worauf es wirklich ankommt im Leben. Mit dem Ende vor Augen entscheidet sich der Vierzigjährige für den Neuanfang. Zurück in Paris kündigt Éric seinen Job, kümmert sich endlich um seinen Sohn, nimmt wieder Kontakt zu seiner Mutter auf und importiert das koreanische Ritual nach Frankreich. Das Geschäft boomt. So erfährt auch seine Ex-Chefin Amélie davon. Sie besucht Éric, weil sie endlich bereit ist für eine Veränderung. Es ist der Beginn einer zarten, neuen Liebe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2026
Rezensent Niklas Bender findet kaum Gutes bei der Lektüre des neuen Romans des französischen Unterhaltungsautors David Foenkino. Éric Kherson befindet sich mitten in der Midlife-Crisis entdeckt auf einer Korea-Reise das perfekte "Ritual", die eigene, inszenierte Beerdigung. Der vorgespielte Tod soll dabei auf die wahren Bedeutsamkeiten des Lebens aufmerksam machen, was bei Éric zündet und dazu führt, dass er seinen Job kündigt und prompt selbst einen solchen Dienst in Frankreich anbietet. Bender sieht in dieser Handlungswendung sowie in der forcierten Tiefgründigkeit der Sprache ein klares Beispiel für Selbsthilfeliteratur. Viel von dieser Hilfe möchte der Kritiker angesichts der Bauart des Textes jedoch nicht annehmen, denn er findet hier nur unschlüssige Figurenpsychologie in einer übererklärenden Sprache und den gescheiterten Versuch, dem Text durch nutzlose Fußnoten einen Mehrwert zu geben. Statt der Hilfe, die Literatur durch das Ergründen neuer Perspektiven bieten kann, stößt der Rezensent auf ein identitätsloses Gemisch aus Banalitäten - "Ikea-Literatur", so das harsche Urteil.
Nicht unbedingt auf höchstem Niveau, aber doch letztlich ziemlich gut unterhalten fühlt sich Dirk Fuhrig bei der Lektüre dieses Buches. Der wie stets boulevardesk schreibende David Foenkinos stellt wieder einmal einen Losertypen ins Zentrum, so Fuhrig, diesmal heißt er Éric und macht in Südkorea eine Nahtoderfahrung - die allerdings gleichzeitig ein Geschäftsmodell ist, es geht schlicht darum, bereits lebend ein wenig Zeit im Sarg zu verbringen. Éric ist begeistert von diesem Leben und zieht einen ähnlichen Laden auch in Frankreich auf, was ihm Geld, Selbstbewusstsein und Sex-Appeal verschafft, resümiert Fuhrig. Letzterem kann sich auch Amélie nicht entziehen: Eine Karrierefrau im Staatsdienst. Nicht unbedingt auf die eleganteste Art lässt Foenkinos die beiden Figuren zusammenkommen, fährt der Kritiker fort, der allerdings die geistreiche Sprache lobt, in dem das Buch verfasst ist und sich auch an tagesaktuellen Bezügen unter anderem zur Klimakrise erfreut. Allzu tiefgehend ist das alles nicht, gerade was die Figurenzeichnungen angeht, gesteht der Rezensent ein, sein finales Urteil fällt dennoch positiv aus; weil Foenkinos so wunderbar leichtfüßig und flüssig schreibt.
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