Aus dem Französischen von Ralf Vandamme. Jacques Semelin rekonstruiert in seiner Studie verschiedene Formen zivilen Widerstands gegen das NS-Regime, vor allem in Frankreich, Skandinavien und den Benelux-Staaten, aber auch in Deutschland. Der unbewaffnete Kampf gegen die Nationalsozialisten geschah zum Beispiel durch Verweigerung der Zwangsarbeit, Sabotage, langsames Arbeiten, illegale Presse, Demonstrationen oder Streiks. So aussichtslos solche Aktionen zunächst erscheinen mochten, behinderten sie die Nationalsozialisten doch erheblich oder retteten sogar Leben. In seiner Analyse filtert Semelin außerdem die Voraussetzungen für gewaltfreien zivilen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftssysteme heraus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2021
Rezensent Michael Wildt hält die Lektüre von Jacques Semelins Buch auch mehr als dreißig Jahre nach der französischen Originalveröffentlichung noch für gewinnbringend. Auch wenn die Studie über den Widerstand gegen Hitler in Westeuropa nicht den aktuellen Forschungsstand abbildet und längst auch Osteuropa die Archive geöffnet hat, wie Wildt anmerkt, entdeckt der Rezensent doch Einsichten im Buch, die ihm weiterhin bedenkenswert erscheinen. Die Ausweitung des Widerstandsbegriffs auf Dissens und Verweigerung gehört für ihn dazu, ebenso der Hinweis auf die Bedeutung des Widerstands der jeweiligen staatlichen Instanzen. Manchmal erscheint es Wildt, als betrachte der Autor die Gesellschaften als allzu homogen. Als Beitrag zur Holocaustforschung taugen Semelins Überlegungen zur Beziehung zwischen Besatzern und Besetzten immer noch, findet er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.07.2021
Rezensent Ludger Heid begrüßt den Band des französischen Historikers und Politikwissenschaftlers Jacques Semelin. Die Arbeit, die Formen des täglichen "aktiven Widerstands" im Nationalsozialismus am Beispiel der Ortschaft Chambon-sur-Lignon untersucht, wo die Bewohner Juden versteckten und in die Schweiz brachten, erinnert Heid auch an das Beispiel Dänemark. Ein laut Heid "seltenes" Denkmal für jene, die humanitäre Nächstenliebe praktizierten.
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