Die Frau mit den vier Armen
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783518474167
Gebunden, 235 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Die Frau mit den vier Armen erzählt von traurigen Jungs, die das Glück suchen und den Tod finden. Es geht um Polizeiarbeit, Gerechtigkeit und die Frage, ob man sich am Denken anderer schuldig machen kann. Inlineskates an den Füßen, Würgemale am Hals, Kopfhörer in den Ohren. Am Ufer der Ihme in Hannover liegt die Leiche eines jungen Mannes. Ein Fall für die genauso brillante wie schroffe Rita Aitzinger und ihren Kollegen Ilia Schuster von der Mordkommission. Zwischen Oper, Bahnhofskneipe und Burgerladen geraten sie immer tiefer in ein Dickicht aus Verweisen: Popsongs, Datingapp-Profile, mysteriöse Tattoos - sie sind der Schlüssel zur Lösung des Falls, davon ist Rita überzeugt. Oder ist sie in die Schlinge eines Psychokillers geraten? War Sebastian Tamm gar nicht das erste Opfer? Und was hat der schüchterne Streifenpolizist Gerd Lampe damit zu tun?
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.06.2024
Rezensent Fritz Göttler findet lobende Worte für Jakob Noltes Krimi um eine mordende Dame und eine unerschrockene Tatortuntersucherin. Besonders die nicht direkt zielführende Handlungs- und Diaologführung haben ihm imponiert. Dabei ist der Text durchaus sehr "genregerecht", erklärt Göttler. Rhythmisch entfaltet der Autor ein "Kaleidoskop" der Möglichkeiten "und dann klickt es", schreibt der Rezensent begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 17.06.2024
Rezensent Moritz Baßler lässt sich von der "Tatort"-mäßigen Ausgangssituation des neuen Buchs Jakob Noltes nicht hinters Licht führen: Nolte, weiß Baßler, schreibt nicht nach Schema und weiß auch eine Krimi-Standardsituation, die hier mit einem Leichenfund und einem genretypischen Ermittlerteam etabliert wird, kreativ zu nutzen. Zum Beispiel, erfahren wir, mithilfe selbstreflexiver Wendungen und einem dem Pop zugewandten Erzählgestus, der unter anderem Taylor Swift ins Spiel bringt, und eine Datingapp, die schlicht "Datingapp" heißt. Der Kritiker erfreut sich an einzelnen Sätzen, die alltägliche Beobachtungen zu überhöhen verstehen und nicht einfach nur auf popmäßige Ironie reduzierbar sind. Zu viel verraten über den weiteren Verlauf der Geschichte will der Rezensent nicht, aber er erwähnt immerhin noch eine Reihe kleiner Irritationen, die Nolte in seine "Tatort"-Welt einbaut und die unter anderem zu Peter Altenberg und zu Dürrenmatt führen. Ach, würde sich der echte "Tatort" doch von so einem Buch inspirieren lassen, wünscht sich Baßler.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.06.2024
Rezensentin Susanne Romanowski ist so angetan von diesem Roman, der kein ganz herkömmlicher Krimi zu sein scheint, dass sie sich zum Gespräch mit Autor Jakob Nolte getroffen hat. Der Roman, erfahren wir, spielt in Niedersachsen während der Pandemie. Junge Männer werden auf einer Dating App geködert und dann umgebracht. Die Popmusik der Zeit spielt auch eine Rolle, Suhrkamp hat sogar auf Spotify eine Playlist zum Roman zusammengestellt, erzählt Romanowski. Ihr gefällt, wie Nolte in surrealistischen, "kurzen, cineastischen Szenen" von ruppigen Frauen und traurigen verklemmten jungen Männern erzählt. Wer Sven Pfizenmaiers "Draußen feiern die Leute" und Ulrike Sterblichs "Drifter" mochte, wird sich auch an diesem Roman erfreuen, ist die Rezensentin überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 13.06.2024
Regionalkrimis gibt es viele, so Rezensent David Hugendick, dieser in Hannover angesiedelte von Jakob Nolte sticht für ihn aber erfreulich hervor: "Kurios gut gelaunt" beginnt das Buch trotz eines Toten im Park, dem sich die Kommissarin Rita Aitzinger widmet. Diese ist, wie viele ihrer literarischen Kollegen, etwas sonderbar, hat sich aber mit Haut und Haar der Gerechtigkeit verschrieben, erfahren wir, Nolte bedient sich dabei vielen Archetypen des Kriminalromans, aber auch Überlegungen zur Ästhetik der Gegenwart findet der Kritiker. Besonders überzeugen ihn die "ideenreichen Kleintraurigkeiten", die der Autor seinen Figuren zuschiebt, sodass wir es hier laut Rezensent nicht nur mit einem konventionellen Krimi zu tun haben, sondern auch mit einer "Seelengeografie" des Raumes.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 23.05.2024
Einen großartigen "Niedersachsen Noir"- Krimi hat Jakob Nolte geschrieben, findet Rezensent Valentin Wölflmaier. Es geht, lesen wir, um tote junge Männer in Hannover und um eine Serienkillerin, die die Opfer womöglich auf deren Wunsch von ihrem Weltschmerz erlöst. Das Buch arbeitet mit typischen Krimimotiven, enthält aber gleichzeitig viele spielerische, medienreflexive Elemente, so Wölflmaier. Nicht zuletzt ist es von einer tiefen Traurigkeit durchzogen, beschreibt der Rezensent, der Nolte viele Leser wünscht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.05.2024
Im Gegensatz zu dem, was Jakob Nolte sonst schreibt, ist dieser Roman fast konventionell, hält Rezensent Miriam Zeh fest: In klassischer Krimi-Manier kommt die Geschichte rund um die sozial etwas inkompetente Kommissarin Rita Aitzinger daher, die kurz nacheinander zwei ähnliche Leichen auffindet und sich fragt, wie die beiden zusammenhängen. Verfremdungseffekte des Genres finden sich ebenso wie Anspielungen auf erfolgreiche Krimi-Reihen wie den Tatort, so Zeh, die aus einem Gespräch mit ihm zudem verrät, dass die für den Autor ungewöhnliche Konventionalität wohl eher eine einmalige Sache war.