Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell und Miriam Mandelkow. Mit einem Nachwort von Elmar Kraushaar". Jeder sehnt sich danach, geliebt zu werden, doch kaum einer erträgt es dann." Auf dem Gipfel seines Ruhms wird Leo Proudhammer von einem Herzschlag niedergestreckt. Durch Todesnähe zur Besinnung gebracht, lässt der schwarze Theaterstar Leid und Triumph seines Lebens noch einmal Revue passieren: Vom Elend der Straßen Harlems über die brotlosen Künstlerjahre im Village bis hin zum Durchbruch auf der Bühne. Sein einziger Halt: der ältere Bruder Caleb, der unschuldig ins Gefängnis geht - und immer wieder die Liebe, zur weißen Schauspielerin Barbara, zart schwebend und kompliziert, oder zum jungen Schwarzen Christopher, der gegen die Verhältnisse aufbegehrt. Mit Wucht und Zärtlichkeit erkundet Baldwin in seinem vierten Roman, was es heißt, um einen Platz zu kämpfen in einer unversöhnlich zerrissenen Welt.
Anlässlich seines 100. Geburtstags widmet sich Rezensentin Angela Gutzeit drei Neuerscheinungen von und über James Baldwin: Eine davon ist der Roman "Wie lange, sag mir, ist der Zug schon fort", der, wie sie rekapituliert, zu seinem Erscheinen in den USA eher geringschätzig aufgenommen und als zu lang und flach beurteilt wurde. Für Gutzeit entsteht hier jedoch ein dichtes Geflecht wichtiger, auch autobiografischer Motive, wie Homosexualität, Religion und Hautfarbe, dessen Fäden bei dem Protagonisten Leo Proudhammer zusammenlaufen. Für Baldwin liest sie hier ganz typische Themen, die auch immer wieder mit Überlegungen zur Bürgerrechtsbewegung zusammenkommen und es in jedem Falle verdienen, neu entdeckt zu werden.
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