"Wo alles Text ist, da ist auch alles Lesen, da ist auch alles Schreiben." Wo alles Text ist, weil alles Code ist, gibt es kein Werk mehr, nur noch Halbzeug, vorgefertigtes Rohmaterial. Bilder, Filme, Töne, Wörter - im Digitalen ist alles offen dafür, wieder und weiterverarbeitet, transcodiert und prozessiert zu werden. Hannes Bajohrs Lyrikband beweist, dass aus recycelten Texten scharfsinnige Gedichte entstehen können. Inspiriert von der Avantgarde der Moderne, bedient er sich der Technik des 21. Jahrhunderts: Mit Hilfe von Algorithmen hat er u. a. die Romane Kafkas, Bundestagsprotokolle oder Klimaschutzberichte fragmentiert, transkribiert und neu geordnet. Seine Gedichte eröffnen so einen ganz anderen Blick auf Rezeption und Autorschaft im Zeitalter der Digitalisierung.
Für Hans Hütt erschließt Hannes Bajohr mit seinem Buch neue Ausdrucksmöglichkeiten. Die "skeptische sprachliche Selbstermächtigung" des Autors findet Hütt lesenswert. Wie Bajohr digitalisierte literarische Werke, Zeitungen und Zeitschriften benutzt, um durch Selektion und Umstellung neue Texte zu erschaffen, scheint dem Rezensenten erhellend. So wirken vom Autor bearbeitete Management-Fibeln für Hütt plötzlich "fadenscheinig", und wenn Bajohr Grimms Märchen neu sortiert, scheint er damit laut Rezensent sogar das "Betriebsgeheimnis" der Brüder Grimm offenzulegen. Für Hütt ein Vergnügen oft nah am Surrealismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2018
Rezensent Christian Metz möchte keinesfalls nur konzeptuelle Lyrik lesen. Hannes Bajohrs Experimente mit Datenprofilen, Märchenfundus und Rechtschreibhilfen aber machen ihm Spaß, auch wenn der Autor bei dem Konzeptkünstler Kenneth Goldsmith abguckt und die Texte eine begrenzte Halbwertszeit haben, wie er feststellt. Bajohrs Poetik der Neu-Kontextualisierung und -Formatierung liefert laut Rezensent erhellende Querschnitte durch sprachliche Milieus und Kulturen, ist witzig, inspirierend und raffiniert genug.
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