Der dreizehnjährige Rodi ist gerade ein Jahr alt, als seine jesidische Familie aus seiner Heimat in den kurdischen Bergen fliehen muss. Da Rodis Vater seither verschollen ist, finden er und seine Mutter Unterschlupf bei Rodis tyrannischem Onkel, der in einem jesidisch-kurdischen Dorf in der Türkei lebt. Dort lernt der Junge nicht nur die strikten Regeln seiner Religion in all ihrer Widersprüchlichkeit kennen, sondern erlebt auch hautnah die grausame Unterdrückung der Jesiden inmitten der islamischen Welt. Doch die Freundschaft zu der alten jesidischen Erzählerin Hazal gibt Rodi Halt und lässt ihn immer wieder gegen die strengen Regeln der Ältesten aufbegehren. Als das Dorf schließlich von einer langen Dürre bedroht wird, taucht wie aus dem Nichts ein geheimnisvoller alter Mann auf. Ist er einer der sagenhaften jesidischen Wunderheiler? Und was hat er mit der mythischen Geschichte von Gilgamesh zu tun, mit der die alte Hazal Rodi in ihren Bann gezogen hat? Jan Kizilhans Romandebüt ist eine Reise in die jesidische Kultur und gibt tiefe Einblicke in das Schicksal einer religiösen Gemeinschaft, die nicht erst seit dem Vormarsch des IS unter massiver Verfolgung, Diskriminierung und Ausgrenzung zu leiden hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2017
Rezensent Peter Haffner liest Jan Ilhan Kizilhans in den 50er Jahren in einem jesidischen Dorf in der Türkei spielende Geschichte des 13-jährigen Rodi als historischen Augenöffner. Der frische Blick des Protagonisten enthüllt die Konflikte zwischen Tradition und Moderne in der religiösen Minderheit der Jesiden, das Drama der Zwangsislamisierung, Aberglauben und Heuchelei. Dass der Autor selber aus der Region stammt und heute als Psychologe in der Traumatherapie tätig ist, macht die Darstellung der jesidischen Welt im Buch für den Rezensenten glaubhaft.
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