Bei den Séancen des Albert von Schrenck-Notzing trifft sich im München des Fin de Siècle die gesamte Bohème. Unermüdlich erforscht der junge Freiherr mysteriöse Phänomene, schwebende Tische, Klopfgeräusche, vor allem aber Ektoplasma: Gebilde, die verschwinden, sobald sie mit Licht in Berührung kommen. Ein Stoff aus dem Jenseits, sagen die Geisterseher. Materielle Abspaltungen des Unbewussten, sagt der Freiherr. Schlicht und einfach Betrug, sagen die Wissenschaftler. Nach dem Tod seiner Frau Ella, der Liebe seines Lebens, reist er nach Haiti und verliert sich um ein Haar in den unbeleuchteten Winkeln der Weltgeschichte. Jan Schomburg holt einen gespenstischen Antihelden in unsere Gegenwart.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper fühlt sich nicht schlecht unterhalten von Jan Schomburgs neuem Roman - immerhin. Mit "Die Möglichkeit eines Wunders" ist dem Autor und Filmemacher ein amüsantes Porträt gelungen, so Wüllenkemper - einer Zeit voller "spiritueller, technologischer und ideologischer Heilsversprechen" und eines Kindes dieser Zeit: des Sexualforschers, Suggestionstherapeuten und Parapsychologen Albert von Schrenck-Notzing. Allerdings hätte sich der Rezensent ein bisschen mehr erhofft als dies, oder besser gesagt: weniger. Die zahlreichen wilden Schauplätze, Themen und Spektakel, die Schomburg hier aufführt - bleiben für ihn größtenteils Kulisse, und die vielen verschiedenen Charaktere bewegten sich mit Ausnahme des Protagonisten "wie Statisten" durch diese bunte Pappwelt. Etwas weniger Staffage, etwas mehr Raum für die Figuren, und man hätte vielleicht tatsächlich eintauchen und literarisch teilhaben können an diesem bewegten Leben dieses eigentümlichen Menschen in dieser wirren Zeit, so der Rezensent.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…