Im Dezember 2023 verabschiedete die Bundesregierung eine "Strategie gegen Einsamkeit". Gesellschaft und Politik haben mittlerweile die Bedeutung dieser Emotion in allen sozialen Lebensbereichen erkannt.Einsamkeit ist das Gefühl eines Mangels an sozialen Beziehungen, das nicht nur persönliches Leid, sondern auch demokratiegefährdende Potenziale entfalten kann. Ressentiment ist ein Gefühl der Ohnmacht, das eine soziale Polarisierung hervorrufen kann. Dieses Buch veranschaulicht den demokratiegefährdenden Zusammenhang von Einsamkeit und Ressentiment und zeigt auf, dass nur eine Demokratie mit starken öffentlichen Institutionen dieser Radikalisierung Grenzen setzen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2024
Mit großem Interesse liest Rezensentin Melanie Mühl Jens Kerstens, Claudia Neus und Berthold Vogels Buch über die gesellschaftliche Einsamkeit und ihre politischen Folgen. Die Autoren arbeiten erstmal heraus, unter welchen Bedingungen sich Menschen einsam und isoliert fühlen und dass das starke gesundheitliche Folgen haben kann, erfahren wir. Dabei kann es auch dazu kommen, dass einzelne Menschen die Gesellschaft für ihr Leid verantwortlich machen und sich von dieser abwenden, resümiert Mühl. Dass es laut Autoren gleichzeitig einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und "antidemokratischen Einstellungen" gibt, schockiert die Kritikerin. Hier sei wie so oft die Politik gefragt, die noch zu wenig gegen die gesellschaftliche Vereinsamung, und damit gegen den Rechtsruck, tue. Die Autoren geben allerdings ein "differenziert argumentierendes Buch" an die Hand, das einen guten Überblick zu diesem wichtigen Thema bietet, schließt die Kritikerin.
Jens Kersten, Claudia Neu und Berthold Vogel sind einer wichtigen Frage auf der Spur, so Rezensent Till Schmidt: Wie hängen Einsamkeit und Ressentiment zusammen? Natürlich entwickelt nicht jeder einsame Mensch die Tendenz, andere - vielleicht als Ausgleich selbst erfahrener Kränkungen - abzuwerten, stellt Schmidt klar, aber die Autoren zeigen auf, dass es durchaus eine Korrelation zwischen beiden Phänomenen gibt. Die Argumentation bezieht sich dabei auf umfangreichen empirischen Studien, über die differenziert berichtet wird, indem etwa Faktoren berücksichtigt werden, die Einsamkeit begünstigen, erfahren wir. Klar wird Schmidt nach der Lektüre: Niemand wird als Ressentimentbündel geboren und muss als solches sterben, vielmehr bleibt Veränderung stets möglich. Das Buch hat für den Kritiker eher Einführungscharakter. Schmidt wünscht ihm eine breite Rezeption über wissenschaftliche Kontexte hinaus.
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