Die ersten vierzehn Jahre seines Lebens verbrachte Arno Schmidt im kleinbürgerlichen Hamburg-Hamm: eine Vorstadtexistenz, die immer wieder Eingang in sein Werk gefunden hat. Der vorliegende Band versammelt Arno Schmidts Schilderungen seiner Jugend, die ergänzt werden von den Erinnerungen seiner Schulkameraden und den sehr persönlichen Notizen seiner Mutter. Der zeitliche Bogen wird bis in die fünfziger Jahre gespannt: Die anschaulichen Schilderungen der Hamburg-Besuche des Autors in den fünfziger Jahren hat seine Frau Alice Schmidt in ihrem Tagebuch notiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2011
Au weia, das klingt ja nicht gerade sympathisch, was Rezensent Till Briegleb über dieses Buch erzählt. Aber was soll's, wenn Arno Schmidt liebenswürdig gewesen wäre, wäre er Radiomoderator geworden. Der Band beschreibt im wesentlichen Schmidts Geburtsort Hamm in Hamburg. Vor dem Krieg war Hamm ein Arbeiterviertel, arm, aber doch von einer gewissen architektonischen Würde, so Briegleb. Nach dem Krieg wurde es dann als gesichtsloses Mietskasernenviertel wieder aufgebaut. Schmidt war schockiert über diese zweite Zerstörung. Er hat in Briefen an ehemalige Schulkameraden und seine Mutter viel darüber geklagt und die Empfänger aufgefordert, sich ihrerseits an früher zu erinnern, erzählt Briegleb. Diese Briefe, die Schmidt "nörgelnd" und "ätzend" kommentiert hat - sie waren ihm oft zu sentimental -, hat jetzt Joachim Kersten gesammelt und zusammen mit alten Fotos und Faksimiles zu einem Band zusammengestellt. Briegleb hat ihn mit Interesse gelesen, denn über Hamm und die Schmidt-Familie hat er einiges erfahren. Für Schmidts Griesgrämigkeit wurde er außerdem mit einigen sehr schönen Beschreibungen Alice Schmidts über gemeinsame Ausflüge in die Innenstadt Hamburgs entschädigt.
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