Joachim Köhler rückt den Komponisten ins Licht der neuesten Forschung, befreit ihn von historischen Missverständnissen und zeichnet das weithin unbekannte Lebensbild eines ebenso schöpferischen wie dämonischen Menschen, der zugleich als Dichter, Musiker und Philosoph Geschichte schrieb.
Die Verlagsankündigung, nach zwanzig Jahren sei nun die "erste Wagner-Biografie von Rang" erschienen, findet Christine Lemke-Matwey maßlos übertrieben. Es reiche, meint sie etwas abschätzig, die ersten und die letzten Sätze des 800 Seiten-Werkes zu lesen, um zu wissen, dass da keine neuen Töne angeschlagen und keine sonderlich neuen Erkenntnisse zu Tage gefördert worden sind. Köhler, so Lemke-Matwey, versucht sich an einer teilweisen Reinwaschung des großen Genies: Schuld ist wieder mal, wie originell, die Frau, Cosima Wagner, die ihn vom Utopisten und Visionär zum von den Nationalsozialisten gefeierten Herrscher auf dem Grünen Hügel hat werden lassen. So recht beweisen könne Köhler seine These aber auch nicht, schreibt die Rezensentin. Wenn die Quellenlage wirklich dermaßen manipuliert worden sei, wie könne man sich dann ein "objektives Urteil" anmaßen, fragt sie etwas empört. Der Autor jedenfalls hat sich ihrer Meinung nach kräftig abgemüht, seine These zu untermauern, ohne sich aus diesem Dilemma lösen zu können. Dabei seien recht viele "musikalischen Allgemeinplätze" abgefallen, schließt Lemke-Matwey. Die Lektüre bedeute viel Lese- und letztlich viel Lebenszeit, stöhnt sie.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001
Wolfgang Schreiber zieht für seine Besprechung der Köhler'schen Wagnerbiografie die Neuauflage von Peter Wapnewskis empathischen Wagner-Essays ("Der traurige Gott", 2001, Berlin Verlag) vergleichend heran. Für den "Kosmos Richard Wagner" haben nach seiner Meinung beide Bücher Schlüsselfunktion, er widmet sich jedoch vor allem Köhlers Blickwinkel. Als Quellen verwende dieser weniger neuere Forschungen, sondern stütze sich vor allem auf die schriftlichen Hinterlassenschaften von Richard und Cosima Wagner. Bereits bei einer ersten Arbeit ("Wagners Hitler") habe der Autor Wagner als Propheten und Wegbereiter Hitlers entlarvt. Nun decke er mit "sarkastischer, ja oft boshafter Virtuosität" die schäbigen Charaktereigenschaften des Komponisten auf. Die Haltung des Autors sei von Misstrauen und Distanzneugier geprägt. Für Schreiber bleibt dabei die Frage "Wie konnte es ... zu den großen Schöpfungen der Musikdramen kommen?"
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