Joachim Meyerhoff

Man kann auch in die Höhe fallen

Roman
Cover: Man kann auch in die Höhe fallen
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2024
ISBN 9783462006995
Gebunden, 368 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Mit Mitte fünfzig zieht der Erzähler zu seiner Mitte achtzigjährigen Mutter aufs Land, um dort an einem Roman über das Theater mit dem Titel "Scham und Bühne" zu schreiben. Es werden unvergleichliche, ereignisreiche Wochen, in denen er durch die Hilfe seiner Mutter aus einer tiefen Lebenskrise findet. Nachdem er in Wien von einem Schlaganfall aus der Bahn geworfen wurde, hofft Joachim Meyerhoff, durch einen Neuanfang in Berlin wieder Fuß zu fassen. Doch alles kommt anders als gedacht. Die neue Stadt zerrt an den Nerven und die künstlerische Arbeit als Schriftsteller und Schauspieler fällt ihm von Tag zu Tag schwerer. Auf der Geburtstagsfeier seines kleinen Sohnes ereignet sich ein Zwischenfall, der keinen Zweifel daran lässt, dass es so nicht weitergehen kann. Der Erzähler verlässt Berlin und zieht zu seiner Mutter aufs Land, die auf einem herrlichen Grundstück unweit vom Meer ein sehr selbstbestimmtes Leben führt. Mutter und Sohn sind sich immer schon sehr nah gewesen, aber diese gemeinsamen Wochen werden zu einer besonderen Zeit. Der Sohn klinkt sich ein in den Tagesablauf der Mutter, beginnt seinen Theaterroman und andere Geschichten zu schreiben und findet allmählich heraus aus Zorn und Nervosität, die ihn sein ganzes Leben begleitet haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.12.2024

Rezensentin Judith von Sternburg freut sich, einen neuen Band von Joachim Meyerhoffs autobiografischem Romanzyklus in den Händen zu halten, dessen heimlicher Star seine Mutter ist. Zu ihr flieht er in einer heftigen Schaffenskrise, sie muntert ihn mit ihrer resoluten Art und ihrem gemeingefährlichen Autofahrstil auf und übernimmt sogar eine seiner Lesungen mit großem Erfolg, weil er mit einer Panikattacke im Nebenzimmer liegt, erfahren wir. Sternburg hat große Freude mit diesem "Buch der schonungslos dargelegten Blamagen" und mit Meyerhoffs sympathischer Art, das Leben als Schauspieler mit Lampenfieber und Autor mit Legasthenie irgendwie locker zu nehmen und dem Ganzen solche großen Geschichten abzuringen - egal, ob sie sich nun wirklich so ereignet haben oder vielleicht doch ganz anders.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2024

Ein Buch für die Insel, jubelt Rezensent Oliver Jungen, aber nicht für die einsame, sondern für eine gut bevölkerte, auf der Meyerhoffs Prosa eine ganze gestrandete Gesellschaft unterhält. Meyerhoff schreibt auch in diesem sechsten Band seines "Alle Toten fliegen hoch" Romanprojekts über das eigene Leben, wobei es, findet Jungen, letztlich völlig egal ist, was an den zahlreichen Bühnenanekdoten, die hier ausgebreitet werden, erfunden ist und was nicht. Neben Theaterleuten wie Claus Peymann kommt auch das Kino gelegentlich vor, etwa ein Dreh für die "Bibi und Tina"-Reihe, deren Hauptdarstellerinnen bei Meyerhoff schlecht wegkommen. Zentrales Thema ist diesmal jedoch die Mutter Meyerhoffs, der hier in einer geschickten temporalen Struktur, die eine kontinuierliche Erzählung in der Gegenwart mit Flashbacks verbindet, ein Denkmal gesetzt wird. Trinkfest, künstlerisch fast noch begabter als der Sohn und lebenslustig ist diese Idealmutter in Meyerhoffs Buch, beschreibt Jungen, der sich außerdem am selbstironischen, tragikomischen Stil des Autors erfreut. Tatsächlich bekommt der Autor diesmal die Romanform besser denn je in den Griff, findet ein rundum glücklicher Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.11.2024

Auch im sechsten Teil seiner autobiografischen Romanreihe "Alle Toten fliegen hoch" gibt Joachim Meyerhoff den Verstorbenen einigen erzählerischen Raum: seinem Vater etwa oder dem jüngeren Bruder, der früh bei einem Unfall ums Leben kam, erklärt Rezensent Christoph Schröder. Mit "Man kann auch in die Höhe fallen" liest Schröder jedoch auch oder trotzdem einen ungewöhnlich lebendigen Roman, was wohl, wie er vermutet, dem Einfluss einer bestimmten, äußerst bodenständigen, äußerst klugen, und äußerst unkonventionellen Frau zuzuschreiben ist: Meyerhoffs Mutter, in deren Landhaus er Zuflucht, Inspiration, Ruhe, ja eigentlich sich selbst neu sucht vor dem alltäglichen Wahnsinn Berlins. Meyerhoff erzählt von nun an abwechselnd von seinem Zusammenleben mit der Mutter und Anekdoten aus seiner Schauspielerzeit, und er tut dies laut Schröder mit viel Witz, ohne seine Figuren der Lächerlichkeit preis zu geben, außer natürlich sich selbst. Für den Rezensenten ist es diese Selbstironie sowie die feine Balance zwischen "situativer Komik" und "grundsätzlichem Lebensernst", die Meyerhoffs Romane prägen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.11.2024

Dass der Schauspieler Joachim Meyerhoff sich vom "Postbotendienst" des Theaterspielens irgendwann dem Schreiben zugewendet hat, ist für den Rezensenten Adam Soboczynski ein echter Glücksfall und dieser sechste Roman ist die Kirsche auf der Torte. Bedingt durch eine Schaffenskrise am Theater begibt sich der autobiografische Ich-Erzähler ins Haus seiner betagten Mutter, die aber eigentlich viel fitter ist als ihr Mittfünfziger-Sohn, was Soboczynski zufolge für Komik sorgt. Ihm gefällt zudem, wie Meyerhoff die Rahmenhandlung zwischen künstlicher Hüfte und Currywurst-Konsum mit Anekdoten und Erinnerungen aus Kindheit und Jugend anreichert und so eine erzählerische Spannung schafft. Lachen musste der Kritiker auch, wenn der Protagonist über die dauernd den Kopf schüttelnden Berliner sinniert und ihnen "Empörungsparkinson" attestiert. Aber die größte Offenbarung des Romans ist für Soboczynski  die "Menschenfreundlichkeit", die er in jeder Zeile dieses unterhaltsamen Buches stecken sieht.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 02.11.2024

Rezensent Peter Praschl liest wahnsinnig gern, was Joachim Meyerhoff über seine Lebenskrise aufschreibt, vor allem, weil es dem Schauspieler Meyerhoff gelingt, von sich abzulenken und dafür seine 83-jährige, sehr agile und brüllkomische Mutter zur Hauptfigur zu machen. Die saunt, säuft und singt fröhlich und ist irgendwie das genaue Gegenteil von diesem Trauerkloß von einem Autor, findet Praschl. Wenn Meyerhoff sich allerdings an frühe Schauspiel-Erlebnisse erinnert, ist auch das dem Rezensenten die Lektüre wert. Zum Glück weiß Meyerhoff nämlich, wie Pointen gehen, denkt Praschl.

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