Paul Lynch

Das Lied des Propheten

Roman
Cover: Das Lied des Propheten
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2024
ISBN 9783608988222
Gebunden, 320 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. An einem regennassen Abend in Dublin öffnet die Wissenschaftlerin und vierfache Mutter Eilish Stack ihre Haustür und steht zwei Beamten der neu gegründeten irischen Geheimpolizei gegenüber. Sie sind gekommen, um ihren Mann Larry, einen bekannten Gewerkschafter, zu verhören. Kurz nach dieser Begegnung verschwindet Larry, und sehr schnell beginnen die Dinge in Eilishs Welt aus dem Ruder zu laufen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2025

Sprachlich findet Rezensentin Gina Thomas Paul Lynchs Buch hochinteressant, inhaltlich kann sie letztlich nicht viel mit ihm anfangen. Was Thomas besonders interessiert, ist der Nachklang des Gälischen in Lynchs Prosa, damit steht der Autor in einer langen Tradition, die zum Beispiel auch James Joyce umfasst. Diese Verwandtschaft zeigt sich auch in Lynchs Verzicht auf jegliche Interpunktion bei wörtlicher Rede. Worum geht es? Irland ist unter eine brutale, autokratische Herrschaft geraten, die Hauptfigur Eilish, deren Mann nach einer Demonstration verschwindet, versucht sich im entstehenden Bürgerkriegschaos irgendwie durchzuschlagen, während die Straßen von Ratten übernommen werden. Eine in einer ungefähren Gegenwart angesiedelte Dystopie ist das laut der Kritikerin, die von der bildhaften Sprache Lynchs freilich nur anfangs überzeugt ist, später wird es ihr zu repetitiv und auch zu selbstverliebt gutmenschenhaft. Die Empathie, auf die Lynch abzielt, stellt sich bei der Rezensentin jedenfalls nicht ein, sie findet dieses Buch letztlich eher banal.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.09.2024

Rezensent Michael Wolf wird hineingezogen in das Buch von Paul Lynch, das in einem vom Bürgerkrieg zerrütteten Irland spielt. Die Heldin ist eine junge Mutter, die ihren Mann in den Wirren des Krieges verliert, aber Heldin ist laut Wolf gar nicht das richtige Wort, denn der Autor ist mehr an der Dynamik von Gewalt interessiert denn an Figuren, erklärt der Rezensent. Die Lektüre findet Wolf bedrückend, weil es ein Kampf auf Leben und Tod ist, dem er als Leser beiwohnt. Ziel des Buches ist für ihn die Aufforderung zur Empathie, auch da es Parallelen zu Syrien und Afghanistan gibt. Bedauerlich findet er, dass die Botschaft sehr didaktisch rüberkommt, fast wie in einem Jugendroman. Das ginge auch besser, ergreifender, glaubt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.09.2024

Den Roman der Stunde liest Rezensentin Sylvia Staude in Paul Lynchs dystopischem Roman, der ihr zufolge völlig zurecht mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde: Das Buch spielt in der Zukunft, Irland ist eine Diktatur geworden, Grundrechte gelten nicht mehr. Die im Zentrum der Geschichte stehende vierfache Mutter Eilish verliert ihren Mann in einem Folterkeller, ein Sohn geht in den Untergrund, ein anderer liegt im Krankenhaus, der Weg zu ihm ist hochgefährlich. Staude liest darin vom Ende der Welt als "Echo von Ereignissen", die Lynch atemlos schildert, ohne dabei auf billige Schockeffekte zurückgreifen zu müssen, sein "rennender, rasender Sprachfluss" und die Kraft seiner Worte sorgen ganz allein dafür, dass der Kritikerin dieses Buch im Gedächtnis bleibt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.08.2024

Ganz alltäglich beginnt der Faschismus in Paul Lynchs Buch, beschreibt Rezensentin Julia Schröder, zum Beispiel mit Szenen zwischen zwei Eheleuten, der Biologin Eilish Stack und dem Gewerkschaftler Larry. Das Buch spielt, erfahren wir, in Irland und in einer dystopischen Zukunft, in der die Regierung immer autoritärer auftritt und Larry schließlich während einer Demonstration inhaftiert wird. Für Eilish stellt sich nun die Frage, ob sie bleiben oder aus Irland fliehen soll, erläutert Schröder, die das Buch in die Tradition politischer Warnstücke von Sinclair Lewis' "It Can't Happen Here" bis Philip Roths "The Plot Against America" einordnet. Ein keineswegs nur parabelhaft-abstraktes, vielmehr ein durchaus konkretes Szenario politischer Repression entwirft dieses Buch, so Schröder, auch Folterungen und nummerierte Leichensäcke kommen vor. Als ein Weckruf für europäische Leser ist dieses Buch konzipiert, lesen wir, die Erfahrung von Gewalt und Flucht soll an Menschen herangetragen werden, die glauben, so etwas könne ihnen selbst nicht widerfahren. Ein Buch, das an Empathie appelliere, und zwar in einer außergewöhnlichen Sprache. Auch Träume und Metaphysisches haben Platz in diesem einzigartigen Buch, das, so Schröders Fazit, eine fordernde, aber unbedingt lohnende Lektüre darstellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.07.2024

Mit seinem neuen Roman ist Paul Lynch eine zeitgemäße politische Dystopie gelungen, findet Rezensent Kurt Kister. Darin entwirft der britische Autor die Vision eines unter die Herrschaft einer faschistischen Diktatur geratenen Irland. Im Zentrum der Erzählung steht die Familie Stack, an deren Schicksal, so Kister, das Grauen der Unterdrückung entwickelt wird: Der Vater Larry verschwindet, nachdem er eine Demonstration organisiert hat, der Sohn Mark wird zur Armee eingezogen. Zurück bleibt die Biologin Eilish, deren Entwicklung zur verzweifelt Fliehenden der Roman laut dem Rezensenten in berührender Weise darstellt. Lynchs Erzählweise ist Kister dabei teilweise zu effektvoll, seine Wortwahl allzu bild- und adjektivlastig. Als gekonnte Dystopie kann er das von Eike Schönfeld übersetzte Buch aber empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.07.2024

Rezensentin Sigrid Löffler beschreibt Paul Lynchs mit dem Booker-Preis 2023 ausgezeichnetes Buch als einen Schlüsselroman für die Gegenwart. Und zwar, weil dessen Erzählung über ein von Faschisten übernommenes Irland sie an die zahlreichen autoritären Bestrebungen der Gegenwart erinnert. Irland ist bei Lynch nach einem Wahlsieg der Rechtspopulisten faschistisch geworden und verfolgt Andersdenkende. Im Zentrum des Romans steht Eilish, deren Mann bereits verhaftet worden ist, sie selbst überlegt, ob es an der Zeit sei, auszuwandern. Ein Warnruf ist dieses Buch, stellt Löffler klar, die Leser sollen verstehen, dass Faschismus kein Problem der Anderen ist, sondern eine Gefahr, die uns alle betrifft, so Löffler, die sich aus ihrer "Komfortzone" aufgeschreckt fühlt.

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