Zum ersten Mal wird hier die ganz unwahrscheinliche Entstehung moderner Demokratie aus der Perspektive der Handelnden erzählt und analysiert. Nicht als Masterplan, den es nicht gab, sondern als innovatives Stückwerk in vielen Ländern, oft mit anderen als demokratischen Intentionen. Die Rede von einem "Mutterland der Demokratie" ist irreführend. Erst später wuchs zusammen, was für uns selbstverständlich zur Demokratie gehört. Die krummen Wege schlossen auch Alternativen, Irrwege und Sackgassen mit ein. Diese spannende Erfindungsgeschichte hilft in der heutigen Demokratiekrise, die unabdingbaren Bausteine moderner Demokratie besser zu verstehen und stark zu machen. Präziser ansetzen können so auch Reformen und eine Demokratisierung der Demokratie. Das Spannungsverhältnis zwischen sozialer Ungleichheit und dem Anspruch auf politische Gleichheit ist eine Schlüsselfrage der modernen Demokratie.
Rezensent Stefan Reinecke kommt nicht mit, wenn der Parteienforscher Joachim Raschke die Entstehung der Demokratie als Balanceakt erörtert. Für den Rezensenten liegt das Problem des Buches in der Mischung aus Essay und höchst umfangreicher systematischer Studie, oder, wie Reinecke es nennt: Opus magnum und Zettelkasten. Da verliert der Rezensent mehr als einmal die Übersicht. Schade, meint er, denn über das Ringen um die Erweiterung des Wahlrechts oder die Entwicklung der westlichen demokratischen Institutionen hat der Autor durchaus Spannendes zu sagen.
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