Jochen Schimmang

Das Beste, was wir hatten

Roman
Cover: Das Beste, was wir hatten
Edition Nautilus, Hamburg 2009
ISBN 9783894015985
Gebunden, 319 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Jochen Schimmang erzählt die Geschichte von Leo Münks, Verfassungsschützer, und Gregor Korff, Ministerberater. Ihre Köln-Bonner BRD-Welt gerät mit der Wende ins Wanken: Gregor erfährt, dass seine große Liebe, die ihn Mitte der Achtzigerjahre plötzlich verlassen hat, ein Stasi-Spitzel war; und Leo Münks wird ein Freund aus Berliner Studententagen, der ein Germania-Denkmal in die Luft sprengen will, beinahe zum Verhängnis. Schimmang, der Archivar der verschwindenden Dinge, hat einen Roman über die letzten Jahrzehnte der Bonner Republik geschrieben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.01.2010

Nur auf den ersten Blick ist Jochen Schimmangs Buch für Sabine Peters ein Roman über typische Vertreter der 68er-Generation. Tatsächlich handelt es sich laut der sehr eingenommenen Rezensentin aber um nichts weniger als um eine "Mentalitätsgeschichte" und "Chronik" der Bundesrepublik. Auf deren Höhepunkt befreien ein ehemaliger Politikberater und seine Freunde in einem überraschenden Akt des Anarchismus einen wegen eines geplanten Anschlags auf das Germania-Denkmal verhafteten befreundeten Archivar, lässt die Rezensentin wissen. Am meisten gefällt ihr die ausgeprägte Beiläufigkeit, mit der Schimmang seine Geschichte der Bundesrepublik erzählt und die so ganz ohne "Pathos" und Paukenschläge auskommt. "Unaufdringlich" und gelassen" wird hier ein Stück Vergangenheit mit hohem "Wiedererkennungswert" beschworen, findet Peters, der zudem sehr angenehm aufgefallen ist, dass der Autor seine Figuren an keiner Stelle verrät.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.01.2010

Jutta Person fühlt dem neuen Roman von Jochen Schimmang auf den Zahn und entdeckt: Der ist faul. Den melancholischen Rückblick von Schimmangs Figuren auf die Bonner Republik, ein Panorama und Psychogramm einer Generation, ein "Wenderoman aus Westperspektive", findet Person zwar klug komponiert. Das rückwärtsgewandte Stimmungsbild reizt sie allerdings zum Widerspruch. Den Figuren nämlich geht es statt um politische Überzeugungen um den eigenen verlustig gegangenen bequemen Lebensstil. So selbstironisch Schimmang das darstellt - der Roman, meint Person, tappt doch in die gleiche Nostalgiefalle wie seine Protagonisten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2009

Dies ist ein großer "Zeit- und Gesellschaftsroman" in alter Manier - und zwar, sagt der Rezensent Martin Halter ganz ausdrücklich, einer, der "zum Besten" gehört, das es auf diesem Gebiet gibt. Über Jahrzehnte verfolgt Jochen Schimmang das Schicksal einer Gruppe von Freunden, im Zentrum steht dabei ein Mann namens Gregor, der, von ganz links kommend, sich in der Bonner Republik bequem einrichtet, unter Kohl eine politische Karriere macht und durch die Wiedervereinigung und die neuen Verhältnisse, die sie schafft, ganz aus dem Tritt gerät. Was dabei entsteht, ist ein offenkundig immer wieder auch schlüsselromanartiges Porträt einer Zeit, deren nicht unangenehme Kommodheit Schimmang mit "grimmiger Sympathie" dem Rezensenten noch einmal vor Augen führt. Auch er kann dieser Haltung und dann auch dem ganzen Roman seine Sympathie nicht verweigern.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.09.2009

Sehr eingehend setzt sich Stephan Wackwitz mit Jochen Schimmangs Gesellschaftsroman "Das Beste, was wir hatten" auseinander. Der Autor erzählt von der Desillusionierung und dem Scheitern zweier Freunde, Leo und Gregor, die nach gemeinsamer linksradikaler Vergangenheit Karriere beim Verfassungsschutz und im Innenministerium machen. Zusammen befreien sie nach Baader-Meinhof-Manier einen Archivar, der wegen der Planung eines Anschlags auf das Niederwalddenkmal inhaftiert ist. Hinter der mit vielen Anspielungen, Zitaten und Realien angereicherten Handlung steht laut Wackwitz die zentrale These, dass mit der Wende nicht nur die DDR, sondern auch die alte BRD untergegangen ist. Und nicht allein den Figuren, auch dem Autor merkt der Rezensent an, dass sie die für das "Beste, was wir hatten" ansehen. Wenn Wackwitz das auch als "politische Unwahrheit" herausstreicht, so attestiert er dem Roman nicht nur große Spannung, er findet auch, dass Schimmang im Scheitern seiner Hauptfiguren eindrücklich und überzeugend ein Gesellschaftsporträt liefert. Lediglich die "uchronische Konstruktion" einer "westdeutschen Separatistenguerilla" um den Archivar, hinter der er auch den Standpunkt des Autors vermutet, dass es "so gewesen sein sollte" rufen seinen Widerspruch hervor, aber auch hierin vermag der eingenommene Rezensent eine Anregung zu interessanten Auseinandersetzungen zu sehen. Und deshalb würde Wackwitz das Buch bis auf weiteres sogar als "definitiven Roman über 1989" gelten lassen.

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