Jochen Schimmang

Die Murnausche Lücke

Roman
Cover: Die Murnausche Lücke
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2002
ISBN 9783884231913
Gebunden, 176 Seiten, 18,50 EUR

Klappentext

Während Ende der sechziger Jahre die Revolution vorangetrieben wird, vertreibt der junge Murnau seine nächtliche Schlaflosigkeit durch mathematische Spiele und entdeckt so seine eigentliche Begabung. Bald danach arbeitet er in Cambridge an der Lösung des Fermatschen Problems, immer noch nachts, denn an seiner Schlaflosigkeit hat sich nichts geändert. Als Mittdreißiger in seine ostfriesische Heimatstadt zurückgekehrt, entdeckt Murnau das Wirtshaus "Insomnia" am Deich. Dort verknüpft sich seine Geschichte mit der der anderen: der Wirtsleute Heiner und Hanna, die nach bewegten Berliner Zeiten dieses Domizil aufgebaut haben...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2002

Rezensent Martin Zingg zeigt sich absolut hingerissen von Jochen Schimmangs Roman um den unter Schlaflosigkeit leidenden Mathematiker Murnau, der im Gasthaus "Insomnia" auf die russische Kellnerin Katharina trifft. Vor allem die "dichten atmosphärischen Stimmungsbilder", die Schimmang zeichnet, etwa bei seiner Beschreibung von Murnaus Aufenthalt in Amsterdam, haben es dem Rezensenten angetan. Überhaupt: wie Murnau "schlaf- und schwerelos und mit weit aufgerissenen Augen durch die Welt zieht, wie er mit großer Gelassenheit davon erzählt, leicht verschattet von einer Melancholie, die den Blick immerfort schärft", findet Zingg schlicht und einfach "wunderbar". Alles in allem ist Schimmang mit seinem neuen Roman nach Einschätzung Zinggs wirklich etwas "Köstliches und zugleich Schwieriges" gelungen: "ein vertrackt leichter Text von großer Schönheit".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.05.2002

Ah, wundervoll: Schlaflose Menschen an der Nordsee! Etwas seltsame Lektüre-Vorlieben scheint Werner Jung ja schon zu haben. Das Buch über den Ex-Mathematiker und nächtlichen Küsten-Flaneur Murnau, der "in einer Haltung Flaubertscher Impassibilite" Geschichten Unbehauster und Schlafgestörter (wie er selbst einer ist) notiert, hat ihm jedenfalls gut gefallen. Zumal der Autor am Ende seiner Ich-Erzählung gar die "abgestanden geglaubte" poetische Versöhnung wieder flottmacht und alles zu einem gerundeten Abschluss bringt (der Held findet Liebe und Schlaf): Ende gut, alles gut.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.03.2002

Schon den Grundgedanken von Jochen Schimmangs Roman hält Rezensent Stephan Reinhardt für "originell": Der Mathematiker Murnau hat ein Problem: er kann nicht schlafen. Begonnen hatte sein Dilemma in seiner Jugend, als er während der Lektüre von Becketts Romanen zunächst gegen den Schlaf kämpfte, den toten Punkt auch überwand, das allerdings dauerhafter, als ihm lieb war. Auch der Rest der Romans halte, laut Reinhardt, was er eingangs verspricht: Die Erzählweise sei angenehm "unangestrengt", leicht, voller "Ironie und Hintersinn", "schwerelos" und "spielerisch", schwärmt der Rezensent. Und am Ende komme Schimmangs Protagonist, dessen Geschichte "offenbar autobiografisch fundiert" ist, dann doch noch verdientermaßen zur Ruhe.

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