In dem Erstling Jochen Schmidts befindet sich der Ich-Erzähler in einer schwierigen Situation. Wegen einer halbseitigen Gesichtslähmung kann er nur noch grinsen und muss ins Krankenhaus. Die Ursache für diese Erscheinung mag entweder Stress oder Entspannung nach dem Stress sein. Ähnlich unentschieden ist aus die Haltung des Helden gegenüber sich selbst. Irgend etwas ist schiefgelaufen, und sein Körper protestiert. So setzt der Held sich mit seiner Vergangenheit auseinander und lässt noch einmal die Jahre nach der Wende Revue passieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2002
Jutta Persons Urteil über diesen Debütroman ist wohlwollend, aber nicht ungetrübt. Zwar geht es dem jugendlichen Helden bei seinem Lebensrückblick auf die 90er Jahre, der durch eine "halbseitige Gesichtslähmung" motiviert wird, um "Tiefschürfendes", nämlich um den Sinn des Lebens. Aber der Ich-Erzähler und Namensvetter des Autors, der sich als Heiner-Müller-Bewunderer und Möchtegern-Schriftsteller zu erkennen gibt, kann es nicht lassen, alle "Antwortversuche" auf diese drängende Frage in "Selbstironie zu ertränken", meint die Rezensentin, die das etwas zu stören scheint. Dieses Buch, das einige "erotische und geografische Pendelbewegungen" schildert, sei weniger "Roman" als "Erlebnisbericht", meint Persons und findet die Erinnerungen des Protagonisten "zu lang geraten". Das Buch sticht ihrer Ansicht nach auch nicht durch "große Sprünge" im Stil hervor und die DDR-Vergangenheit genauso so wie das "große Idol Heiner Müller" wirken "wie Staffage", kritisiert sie. Doch hebt sie immerhin "gelungene Episoden" hervor und versichert, dass wer in ähnlichen Umständen die 90er erlebt hat, "in Erinnerungen schwelgen" kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.10.2002
Dem Autor ist seine Herkunft von einer Berliner Lesebühne anzumerken, so Jörg Magenau, weil er die Form verweigere. Lesebühnendichter setzen ihr Leben "direkt in Text um", erläutert der Rezensent, ihnen sei die Gattung Literatur und überhaupt jeder Künstlerhabitus suspekt. Insofern stellt Jochen Schmidts erster Roman "Müller haut uns raus" für Magenau auch keinen Roman dar, sondern eine Erlebnissammlung, eine Aneinanderreihung von Anekdoten, die er genüsslich zur Kenntnis genommen hat. Denn Schmidt ist von einer unendlichen Erzähllust gepackt, einer Lust auch an der Sprache, mit deren Hilfe sich Pointen aufspüren lassen, lobt Magenau. Witzig und anekdotisch berichten Schmidt alias sein Held Schmitt von der Nachwendezeit in Ostberlin, vom Erwachsenwerden, ersten Reisen, fortgesetztem Liebeskummer, ständig nagender Traurigkeit, die sich am besten schreibend kommentieren und kurieren lasse. Eine "gesunde Dosis Hypochondrie" gehört schließlich zum Schreiben dazu, behauptet der Rezensent.
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