Geheimmissionen in Persien und Afghanistan, verdeckte Militärbeziehungen zwischen Berlin und Moskau, deutsche Flugzeuge über Bagdad: Oskar Ritter von Niedermayer stand als Abenteurer, Wissenschaftler und Militäragent immer an den Brennpunkten der Weltpolitik. Dargestellt auf der Grundlage bisher unveröffentlichter Quellen, öffnet sein Lebensweg neue Einblicke in die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Exotische Forschungsreisen, geheime Missionen und politische Leidenschaft bestimmen den Lebensweg Oskar Ritter von Niedermayers (1885 - 1948). Niedermayer war militärischer Führer der deutschen Afghanistan-Expedition 1916 und Verbindungsmann der Reichswehr in Moskau. Als Vertrauter Hans von Seeckts und Freund Karl Haushofers lehrte er als Professor in Berlin. Als General führte er die 162. (Turk) Infanteriedivision der Wehrmacht. Nach dem 20. Juli 1944 verhaftet und durch das Kriegsende befreit, starb er 1948 in sowjetischer Haft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.07.2003
Christian Jostmann empfiehlt Hans-Ulrich Seidts "Biografie eines gescheiterten Geopolitikers" wärmstens. Der Rezensent freut sich, dass Seidt, Mitarbeiter des Auswärtigen Dienstes, den sonderbaren Lebensweg des Oskar Ritter von Niedermayer rekonstruiert und mit geopolitischen Wissen unterfüttert hat. Aus Niedermayers Aktivitäten zitiert er unter anderem eine Expedition nach Afghanistan während des ersten Weltkriegs. Sie erhellt für Jostmann das aktuelle deutsche Engagement in dieser Region: "In einer Zeit, da Militäreinsätze gern als humanitäre Interventionen verkauft werden, erinnert das an die geopolitischen Motive dahinter". Außerdem lobt unser Rezensent, dass Seidt die Verflechtungen von Wissenschaft und Politik anhand einer Biografie darstellt: In den zwanziger Jahren habe Niemayer als Agent der Reichswehrführung um ein Bündnis mit der Sowjetunion geworben, nach Hitlers Aufstieg habe er eine Karriere als Wehrgeograph versucht und sei im zweiten Weltkrieg für Spezialmissionen reaktiviert worden. Jostmann sieht in dem Buch "Kontinuitäten außenpolitischen Denkens und Handelns" dokumentiert, "die aus dem neunzehnten ins einundzwanzigste Jahrhundert führen."
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