Jörg Piringer

verbrenner

Cover: verbrenner
Ritter Verlag, Klagenfurt 2025
ISBN 9783854156871
Gebunden, 232 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Jörg Piringers "verbrenner" mäandert als Redestrom durch die Wortfelder von Brand und Feuer, Zerstörung und Asche, aber auch von Löschen, Überschwemmung und Ertrinken. Analog zu den sich immer weiter ausbreitenden Bränden folgt die Textbewegung rhetorischen Gesten der Steigerung und Vermehrung und akzentuiert solcherart auch die ökonomische oder sozialpsychologische Dimension des Begriffs "Verbrennen". In der Verbindung mit dokumentarischen Quellen zu Brandbeschleunigern, Flammenwerfern, Brandschutzbestimmungen oder Brandverletzungen verdichten sich die ausgebreiteten Katastrophenerzählungen zu einem hyper- real-dystopischen Komplex. Urban Legends von selbstentzündenden Bäumen und Menschen, Rezepte von Scheiterhaufen (Dessert) und H-Bomben oder Erinnerungen an Jan Palach und andere Selbstverbrennungsaktivisten geben zusammen ein Panorama von brandgefährlichen Zusammenhängen und Atmosphären. Das Spiel mit Fakt und Fiktion, das der Computerkünstler und Autor Jörg Piringer durch den Einsatz einer sich verselbständigenden KI zusätzlich befeuert, eskaliert in Vorstellungen, die heute allgegenwärtige Tendenzen konsequent weiterdenken: in der Abwehr von immer mehr Verbrennenden durch immer höhere Brandmauern, während Hunderte Untergegangene am Boden des Mittelmeers nach Europa wandern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2025

Jörg Piringers Gedichtband wagt mit großer formaler Raffinesse eine "Gegenwartsdiagnostik", schreibt der begeisterte Rezensent Christian Metz. Piringer entwirft die "Verbrennerdämmerung" unserer Zeit: von Motoren und Mülldeponien bis zu "jedes jahr hochwasser". In kurzen, rhythmischen Sequenzen stehen Verbrannte, Unverbrannte und "Untergehende" einander gegenüber; selbst "auch das wasser brennt", lesen wir. Repräsentativ zitiert Metz Piringers poetisches Programm: "der funke/ so klein hier/ der gedanke/ so klein hier/ der mensch/ so klein hier". Mit Wortspielen, Paronomasien und computergenerierten Bildern entfachten die Texte ein kluges, "rasantes" Sprachfeuer. Piringer frage nach Verantwortung, Wirkungsmacht und Ohnmacht von Literatur, ohne Trost anzubieten. Für Metz gelingt ihm ein fulminanter, formal virtuoser Abgesang auf eine brennende Gegenwart.

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