Nur im Spiegel einer Kultur, in der sich menschliche Sinnbildung als ein Ganzes darstellt, ist auszumachen, was es heißt, ein Mensch zu sein. Wie sich dieser Sinnbildungsprozess in den verschiedenen Lebensbereichen gestaltet, steht im Blickfeld der vorliegenden Betrachtungen. Den Anfang macht das historische Denken in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. Über die Frage der Aneignung geschichtsphilosophischer Traditionen gelangt der Autor zur Erinnerungskultur der Bundesrepublik und deren Reflektionen in der Geschichtswissenschaft sowie der Geschichtsdidaktik. Dem wissenschaftlichen Denken als Teil einer Kultur, der es sich forschend und denkend zuwendet, gilt anschließend das Interesse. Es soll selbst als kulturelle Tätigkeit und damit seine Lebensdienlichkeit plausibel gemacht werden. Dabei wird unter anderem nach dem Sinn und Zweck kulturwissenschaftlicher Studien gefragt. Der Bogen sinntheoretischer Überlegungen wird jedoch noch weiter gespannt. Problematisiert wird auch, wie der Mensch mit der Erfahrung der Zeit umgeht und wie aus Zeiterfahrung Sinn gebildet wird. Dazu wird ein umfassender typologischer Deutungsversuch vorgelegt. Zuletzt erweitert sich der Horizont um andere Bereiche der Kultur, wie Religion und Utopie, und deren sinnstiftendes Potential. So entsteht ein weites und differenziertes Spektrum der geistigen Vorgänge, in denen der Mensch über sich selbst und seine Umwelt verstehend und deutend reflektiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.08.2006
Etwas naiv sind diese Überlegungen des Essener Kulturwissenschaftlers Jörn Rüsen über "den Geist der Weltgesellschaft" für den Geschmack von Rezensent Kersten Knipp ausgefallen. Natürlich kann er all die gut gemeinten Ansichten zur Förderung der "globalen Verständigung" und des "globalen" interkulturellen Verständnisses blind unterschreiben. Doch er hat Zweifel, ob diese "klugen Überlegungen" auf der Basis "altehrwürdiger" Ideen von Immanuel Kant "die frommen Bombenleger" von heute auch nur im Entferntesten interessieren werden, die Knipp offensichtlich am Ausgangspunkt der intellektuellen Bemühungen des Autors stehen sieht. Die nämlich, vermutet er, würden wohl selbst über die von Rüsen angeführte Lessingsche Ringparabel "eher mit den Schultern zucken".
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