Ein literarisches Hohelied der Liebe und doch kaum gelesen: Goethes Briefe an Charlotte von Stein zwischen 1776 und 1786. Am Anfang steht eine Silhouette, ein Schattenriss, den Goethe von der Baronesse, Hofdame und Freundin der Herzogin Anna Amalia sah. Am 11. November 1775, soeben am Weimarer Musenhof eingetroffen, trifft der 26jährige berühmte Autor des Werther auf die sieben Jahre ältere Charlotte von Stein verheiratet mit dem herzoglichen Stallmeister. Die Sprache der Liebe in unendlichen Variationen wird wie neu erfunden, auf über 1700 Zetteln. Billette, Botschaften, Beteuerungen lesen wir, die von einer für Goethe wohl unvergleichlichen Liebe erzählen, die zugleich doch nichts ist ohne Sprache, seine Sprache immer frisch auf Traumglück auszugehen. Nur Goethes Korrespondenz ist überliefert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2015
Goethes Briefe an Charlotte von Stein in dieser von Jan Volker Röhnert herausgegebenen bibliophilen Ausgabe liest Alexander Košenina mit großem Vergnügen. Zwar fragt er sich, wieso der Herausgeber von den Ergänzungen in den beiden Weimarer Ausgaben keinen Notiz nimmt und sich ausschließlich auf die Ausgabe von 1907 stützt, Košenina sind die Briefe jedoch literarisches Ereignis genug, weil der Dichter seiner Liebe hier so kunstvoll und variantenreich Ausdruck verleiht. Darüber hinaus bietet ihm die Lektüre Einblick in Goethes Begegnungen und Überlegungen und zeigt ihm den Dichter auch als Staatsmann und Naturforscher, Diplomaten und Reisenden und, ganz wichtig, weil als Quelle unerreicht, wie der Rezensent weiß, in seiner Weimarer Umgebung.
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