Die Beschäftigung mit dem eigenen Bild im Ausland war in mancher Hinsicht geradezu eine Obsession der Deutschen. In der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR wurden Debatten darüber geführt, wie sich beide Teilstaaten und ihre gesellschaftlichen Vertreter außerhalb der eigenen Grenzen, aber auch auf eigenem Boden für das Ausland präsentieren sollten. Inwieweit dienten diese Diskussionen, die vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Vergangenheit und der zeitgenössischen Systemkonkurrenz im Ost-West-Konflikt zu sehen sind, der Selbstvergewisserung? In welcher Weise prägte der Bezug auf das Ausland ein modernes Selbstverständnis?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2005
Recht "informativ" findet Rezensent Hans-Christof Kraus diesen Sammelband über die auswärtige Kulturpolitik Deutschlands nach 1945. Er hebt hervor, dass sich die Beiträge dabei nicht nur der Tätigkeit der amtlichen Auswärtigen Kulturpolitik widmen, sondern ein wesentlich breiteres Feld "von der Wirtschaft über die Gesellschaft bis hin zur Kultur" beleuchten und auch internationale Festspiele, Kunstausstellungen, Sportwettkämpfe, Industriemessen und anderes einbeziehen. Ziel dieser Unternehmungen war es, die geistige Erneuerung der Deutschen, ihr Bestreben, nach der Epoche der Barbarei erneut in den Kreis der zivilisierten Nationen aufgenommen zu werden, nach außen hin sichtbar zu machen. Wie Kraus berichtet, zeigen die Beiträge, dass diese Bemühungen der Bundesrepublik insgesamt ungewöhnlich erfolgreich waren -im Unterschied zur DDR. Zwei Beiträge des Bandes rekonstruierten anschaulich, dass deren Außendarstellung weitgehend misslang.
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