Im Auftrag des Bundesministeriums des Innern herausgegeben von Eberhard Kuhrt u.a. Die Reihe "Am Ende des realen Sozialismus" bringt Texte und Dokumente zur politischen und gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Lage in der DDR vor allem während der 80er Jahre. Band 5 gibt einen Überblick über Mittel und Methoden politischer Verfolgung während der Amtszeit Honeckers. Dabei zeichnet die Studie einerseits ein plastisches Bild politischer Verfolgung aus der Sicht der Opfer, andererseits aber wird deutlich, dass es sich hierbei nicht um vereinzelt oder gar zufällig angewandte Repressionsstrategien handelt. Die Untersuchung basiert auf der Auswertung von Fragebögen und Interviews sowie der Stasi-Akten Betroffener.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.04.2002
Ein "beeindruckendes" Buch über die staatliche Verfolgung und Unterdrückung politisch Andersdenkender ist dem Autor nach Ansicht von Susanne Katzorke gelungen. Sie lobt besonders den "enormen Materialreichtum" dieser Studie. 576 ausgewertete Fragebögen, die an Opfer verschickt wurden, sowie eingehende Gespräche mit weiteren 24 Personen und Stasi-Akten haben die Detailfülle geschaffen, die die Studie "auszeichnet", so die Rezensentin zufrieden. Sie sieht die "perversen Methoden" der Aktionen gegen Staatskritiker "exakt dargestellt" in einem sechsstufigen Modell, das von der Befragung bis zur Inhaftierung und Repression auch nach der Entlassung aus der Haft das ganze Instrumentarium der Unterdrückung beschreibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.12.2001
Was bedeutete es für einen DDR-Bürger, ins "Fadenkreuz der Stasi" zu geraten? Mit welchen Methoden hat das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) gearbeitet? Mit Honeckers Amtsantritt 1971 hat sich die Arbeitsweise des "Mielke-Ministeriums" stark verändert, hat Rezensent Peter Jochen Winters in dieser "guten Arbeit" gelesen. Mit mehr Personal und physischer Gewalt sollten "Andersdenkende", also Ausreisewillige und Systemkritiker, zu Geständnissen gezwungen werden - Gewalt wurde abgelehnt, da die DDR ein "sozialistischer Rechtsstaat" sein wollte, behauptet der Autor laut Winters. Doch auch die stattdessen durchgeführten Maßnahmen wie Bespitzelungen, Wohnungsdurchsuchungen und Aufenthaltsbeschränkungen hatten es in sich, so Winters. Die Arbeit des Autors basiert auf der Auswertung von knapp 600 Fragebögen von Opfern politischer Verfolgung in der DDR, schreibt der Rezensent. Die dokumentierten Stasi-Akten sprechen für "sich selber", meint der Rezensent, der sehr zufrieden mit dieser "anschaulichen Arbeit" ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.12.2001
Alexander Gallus fasst die Absicht des Autors wie folgt zusammen: Johannes Raschka wolle mit diesem Buch die SED-Herrschaft anklagen. Wie ein Kriminalbeamter habe er "akribisch Beweismaterial" gesammelt, Stasi-Akten studiert, intensive Gespräche geführt und sogar über 1000 Fragebögen an Opfer politischer Verfolgung gesandt, beschreibt der Rezensent die Vorgehensweise des Autors. Herausgekommen sei eine Schilderung der unterschiedlichen Repressionsmaßnahmen der Stasi, eine "detaillierte Bestandsaufnahme". Doch der Rezensent vermisst "allgemeinere Thesen" über die DDR. War sie nun autoritär oder totalitär? Stattdessen ergehe sich der Autor in der "dramatischen Darstellung" von Einzelschicksalen, die dem Lesefluss schadeten. Trotz klarer Gliederung und "reichhaltiger" Quellen, die den Rezensenten durchaus interessiert haben, ist er nur mäßig zufrieden mit diesem Buch: Vor allem rügt er, dass die verschickten Fragebögen nicht repräsentativ seien.
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